«Eindrücklich, was ein Wassertank ausmacht»

Luca Heim aus Zürich hat seinen einjährigen Entwicklungseinsatz für COMUNDO in Kenia zugunsten von selbstversorgenden Familien und Gemeinschaften abgeschlossen. Der 31-jährige Geograf zieht eine positive Bilanz.

Suswa, Kenia: Installation der Wassertanks. Einsatz der COMUNDO-Fachperson Luca Heim.

Luca, du hast dich bei der COMUNDO-Partnerorganisation COTRR (Community Organisation and Training for Risk Reduction) für Menschen im Rift Valley und in den Regionen Nyanduma und Murang’a eingesetzt. Worin bestand deine Tätigkeit?
Unser Ziel war, die Lebenssituation der selbstversorgenden Gemeinschaften grundsätzlich zu verbessern, ihren Alltag zu erleichtern und damit insbesondere ihren Kindern und Grosskindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Dazu treibt COTRR verschiedene Projekte voran, viele davon haben mit der Verbesserung der Infrastruktur zu tun.

Luca Heim vor seiner Ausreise nach Kenia. Foto: Marcel Kaufmann / COMUNDO.
 
Welches sind die Herausforderungen der Menschen in dieser Region?
Die Extreme liegen nah beieinander. Nairobi ist eine pulsierende internationale Grossstadt. Fährt man aber nur schon ein, zwei Stunden ins Rift Valley hinaus, etwa in die Region Suswa, wo ich tätig war, zeigt sich ein ganz anderes Bild. Die Menschen leben in einfachsten Verhältnissen, die Lebensbedingungen sind hart. Es regnet – auch wegen des Klimawandels – immer unregelmässiger, oder dann gleich sintflutartig. Das Wetter ist mehr und mehr unvorhersehbar geworden. Das führt zu Ernteausfällen und manchmal gar zu Hungersnöten.

Traditionelle Wasserbeschaffung. Foto: Luca Heim / COMUNDO

Wie gehen die Menschen mit den Herausforderungen um?
Sie kämpfen zuweilen ums Überleben. Die Frauen – es sind die Frauen, die Haushalt und Familie managen – sind oft mehrere Stunden zu Fuss unterwegs, um Wasser zu holen. Die jüngeren Kinder begleiten sie und gehen in dieser Zeit nicht in die Schule.
 
Gibt es einen Ausweg aus dieser schwierigen Situation?
Auf den ersten Blick sind das fast unüberwindbare Probleme. Das Schicksal scheint besiegelt, und ohne genügende Schulbildung sind die Zukunftschancen der Kinder und Jugendlichen gering. Und doch gibt es Hoffnung: Etwas Einfaches, Materielles kann nämlich enorme Auswirkungen auf die Lebenssituation der Menschen und damit auf ihre Zukunft. Gerade in der Infrastruktur, welche wir in der Schweiz als selbstverständlich annehmen.
 
Ein Beispiel?
Ein gutes Beispiel liefert die COMUNDO-Partnerorganisation COTRR, die von drei Frauen gegründet wurde. Eines ihrer verschiedenen Projekte ist die Versorgung der Bevölkerung mit Wassertanks. Diese sollen Regenwasser sammeln für Trinkwasser und die effiziente, stetige Bewässerung der Felder. Der Effekt ist gross: Verbesserte Gesundheit, weniger Erkrankungen, grössere und sicherere Ernten, grösserer Tierbestand. Das hat enorme Auswirkungen auf die Lebenssituation der Menschen.

Kein Hindernis ist zu hoch - oder zu tief: Lieferung der Wassertanks. Foto: Luca Heim / COMUNDO

Was war deine konkrete Aufgabe in diesem Projekt?
Eine sehr spannende und erfüllende. Als Geograf und Landschaftsentwickler wuchs ich in die Rolle des mitanpackenden Beraters, Analytikers und Fotografs. Ich dokumentierte, wo der Bedarf nach Wasser am grössten war, analysierte die Bodeneigenschaften im Hinblick auf die Bewässerungsmöglichkeiten und machte Empfehlungen an die kenianischen Entscheidungsträger/innen, welche Lösungen es für bestimmte Problematiken geben könnte, z.B. ein nicht funktionierendes Wasserreservoir. Dafür war ich oft ‘auf dem Feld’ unterwegs und teilte den Alltag mit den Menschen vor Ort – eine sehr eindrückliche, lehrreiche Erfahrung für mich.