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07.04.2020

Coronavirus in Kenia: Noch ist es ruhig

Welche unvorstellbare Geschichte hinter dem ersten Corona-Fall in Kilifi, Kenia steckt und wie die Krise das Bildungsprojekt unserer Fachperson Stefanie Hallberg beeinflusst, erzählt uns die Journalistin in diesem Bericht. Jetzt gilt erst recht: Alle Kinder weltweit sollen die Chance auf eine gute Bildung bekommen.

Mit Verzögerung kommt das Coronavirus nun auch in Afrika an. Der erste offizielle Infizierte in Kilifi war der County Deputy Governour, der aus Deutschland zurückkam, sich aber nicht in die vorgeschriebene Selbstquarantäne begeben hat. Stattdessen ging er zu mehreren Grossveranstaltungen. Er musste dann mit Polizeigewalt in ein Krankenhaus gebracht werden, wo er positiv auf Covid-19 getestet wurde. Traurig, aber wahr. 

Unterschätzte Gefahr? 

Hier in Kilifi mit seinen etwa 50.000 Einwohnern gibt es derzeit sechs bestätigte Corona-Fälle, in Kenia insgesamt sind es 110. Da wir etwa vier Wochen hinter den Entwicklungen in Europa zurückliegen, dürfte die Zahl der Infizierten in den kommenden Wochen drastisch ansteigen.  Noch ist die Lage ruhig. Viele bleiben zu Hause. Man sieht nur wenige Tuktuk und Bodaboda (Motorrad-Taxis) auf den Strassen. Einige Menschen tragen Masken, andere nicht. Trotz aller Aufrufe, Social distancing zu wahren, sieht man immer noch Leute, die sich nicht daranhalten, z.B auf dem Markt oder am Kiosk. Ich glaube, einige hier nehmen die Gefahr durch das Corona-Virus nicht so ernst oder sind sich dessen noch nicht wirklich bewusst. 

Restaurants, Bars, Clubs und viele Hotels und Geschäfte sind geschlossen. Auch die Zahl der Händler, die Gemüse, Obst und andere Dinge auf den Strassen verkaufen, hat abgenommen. Der Markt wurde vor Kurzem desinfiziert. Er hat geöffnet, aber die lokale Regierung hat damit gedroht, ihn zu schliessen, falls Social distancing und Hygieneauflagen nicht eingehalten werden. Der einzige Supermarkt vor Ort ist ebenfalls auf. Dinge des täglichen Bedarfs sind also noch zu bekommen. Vor allen Geschäften und Ständen stehen Seife und ein Behälter mit Wasser, um sich die Hände zu waschen. 

Händewaschen ist in Zeiten von Corona auch in Kenia oberstes Gebot: Seife und Wasserbehälter vor einem Geschäft.

Händewaschen ist in Zeiten von Corona auch in Kenia oberstes Gebot:
Seife und Wasserbehälter vor einem Geschäft.
 

Drohende Zunahme von Kriminalität 

Vor etwa einer Woche hat die kenianische Regierung eine Ausgangssperre von 19 Uhr bis 5 Uhr morgens verhängt. Keiner weiss hier abzuschätzen, wie sich die Lage entwickelt. Viele Menschen haben ihre Arbeit oder Einkommensquelle verloren oder werden sie verlieren – Menschen, die sowieso schon täglich damit kämpfen, ihre Familien mit dem Bisschen, was sie verdienen, zu ernähren. Kein Geld bedeutet kein Essen. Kein Essen bedeutet Hunger. Hunger kann zur Verzweiflung führen. Verzweifelte Menschen sind zu vielem fähig. Wird es in dem sonst so friedlichen Städtchen Kilifi mehr Diebstähle und Einbrüche geben? Es ist wahrscheinlich. Wird es zu Unruhen oder Aggressionen gegenüber Ausländern kommen? Keiner weiss es. Wir Mitarbeitenden von Comundo an der kenianischen Küste haben unsere Sicherheitspläne überabeitet und über Strategien gesprochen, was wir gemeinsam im Krisenfall tun können, um uns zu schützen. 

Kinder müssen zuhause bleiben 

Wie sind die Auswirkungen der Corona-Krise auf meine Arbeit und die meiner Organisation? Das Kesho Kenya Resource Center ist geschlossen, wir alle arbeiten so gut es geht von zu Hause aus. Normalerweise befinden sich während der Schulferien 100 bis 120 Kinder bei uns, um zu lernen oder zu spielen. Dazu fehlt ihnen daheim der Platz. Ihnen wird das Center sicherlich fehlen. Mir fehlen die Kinder ebenfalls, so wie auch das persönliche Gespräch und der Austausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen und das Lachen und rege Leben im Büro. 

Im Moment leider nicht möglich: Lernen und diskutieren im Kesho Kenya Resource Center.

Meine Partnerorganisation musste jegliche Arbeit im Feld einstellen, das heisst: keine Besuche mehr in Partnerschulen, keine Hausbesuche, keine Trainings in Communities, keine Stakeholder-Treffen, keine persönlichen Gespräche mit Vertretern der regionalen Regierung. Auch wir von der Kommunikationsabteilung können nicht mehr zu den Menschen fahren, um Erfolgsgeschichten zu sammeln und Fotos zu machen. Diese Arbeit ist wichtig, um Erfolge in Projektberichten oder auf Social Media, in Blogs, auf unserer Website oder auf Twitter zu dokumentieren. Sie ist nun bis auf Weiteres auf Eis gelegt. Wir haben kaum noch etwas, das wir über unsere Aktivitäten in Programmen und Projekten posten können, da keiner mehr ins Feld gehen kann. Auswirkungen auf die Sichtbarkeit von Kesho Kenya und die Reichweiten, die wir in letzter Zeit mit viel Aufwand stark steigern konnten, sind absehbar. 

Kreative Lösungen sind gefragt 

An einigen Projekten können ich und meine Kollegin Phiona zum Glück weiterarbeiten: Beispiele sind die Flyer, die wir gerade für die einzelnen Projekte und Programme gestalten oder der Newsletter, der 2020 erstmals alle vier Monate statt einmal jährlich verschickt wird. Andere Projekte müssen wir nun nach hinten schieben, wie etwa die Videos, die wir über die Arbeit in den einzelnen Projekten und Programmen machen wollten. 

Nichtsdestotrotz – mein Projekt ist nicht gefährdet. Wir müssen nun einfach flexibel sein und uns den Gegebenheiten anpassen. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wenn wir kreativ sind, an einem Strang ziehen und den Willen haben, aus der aktuellen Situation das Beste zu machen, finden wir bestimmt Lösungen für die aktuellen Herausforderungen.

 


Die aktuelle Krisensituation betrifft uns alle; doch die Menschen hier vor Ort besonders hart. Darum danke ich Ihnen für Ihre Spende, damit ich mich weiterhin intensiv für benachteiligte Kinder und Jugendliche in Kenia einsetzen und ihnen bessere Bildungschancen ermöglichen kann. Vielen Dank für Ihre wertvolle Unterstützung!

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Stefanie Hallberg


Die Journalistin und Kommunikationsexpertin Stefanie Hallberg steht für Comundo als Fachperson in Kilifi an der kenianischen Küste im Einsatz.
 

Ihre Arbeit bei der Partnerorganisation Kesho Kenya trägt dazu bei, Jugendlichen aus benachteiligten Familien trotz grosser Armut einen besseren Zugang zu Bildung und Arbeit zu ermöglichen. 
 

Mehr zu ihrem Projekt