Wie KI die Berufsbildung in Kenia verändert
«Wie sieht wohl meine Zukunft aus, wenn ich trotz Berufsbildung und Abschluss keinen Job finde?». In Kenia stehen viele junge Menschen vor genau dieser Frage. Zwischen veralteten Lehrplänen, fehlenden Ressourcen und einem Arbeitsmarkt im Wandel entstehen jetzt neue Ansätze. Am Elimu Resource Centre zeigt sich, wie Berufsbildung anders gedacht werden kann – praxisnah, digital und eng verknüpft mit den realen Anforderungen der Wirtschaft. Von Bokayo Sharamo
Ein System unter Druck
Kenia hat eine der jüngsten Bevölkerungen weltweit. Gleichzeitig ist die Jugendarbeitslosigkeit hoch. Jedes Jahr treten über eine Million junge Menschen in den Arbeitsmarkt ein – viele ohne die Fähigkeiten, die tatsächlich gefragt sind.
Das Problem liegt nicht im Engagement. Es liegt im System. Berufsbildung ist in vielen Regionen unterfinanziert. Schulen verfügen über zu wenig Infrastruktur, veraltete Geräte und kaum digitale Lernmittel. Lehrpläne bleiben über Jahre unverändert – während sich Branchen und Anforderungen längst weiterentwickelt haben. Hinzu kommt ein Mangel an qualifizierten Lehrpersonen.
Besonders kritisch ist jedoch die fehlende Verbindung zur Wirtschaft. Was im Unterricht vermittelt wird, entspricht oft nicht den realen Abläufen und Anforderungen in Betrieben. Für Absolvent:innen bedeutet das: Sie haben ein Diplom – aber keinen Zugang zum Arbeitsmarkt.
Wenn Lernen nicht reicht
Ein Klassenzimmer, wie es viele gibt: engagierte Lernende, motivierte Lehrpersonen – und dennoch ein Bildungssystem, das hinterherhinkt.
Für viele junge Menschen bedeutet das Unsicherheit. Auch für Emmy Volenta. Für sie ist klar: Bildung muss mehr sein als ein Zertifikat. Bildung muss befähigen, tatsächlich arbeiten und sich ein eigenes Einkommen erwirtschaften zu können.
«Ich bin mit der Überzeugung aufgewachsen, dass Bildung der Weg in eine bessere Zukunft ist. Gleichzeitig habe ich gesehen, wie Menschen ihre Ausbildung abgeschlossen haben und trotzdem keine Arbeit finden.» Emmy Volenta
Vom Unterricht zur Anwendung
Am Elimu Resource Centre wird genau das möglich. Lernen bedeutet hier nicht passives Zuhören – sondern aktives Tun.
Emmy erstellt Marktanalysen für lokale Unternehmen, schreibt professionelle Texte und bereitet Daten visuell auf. Ihre Arbeiten sind realitätsnah und anschlussfähig. «Ich übe nicht für die Zukunft. Ich arbeite jetzt. Die Werkzeuge, die ich hier nutze, werde ich auch in meinem Beruf einsetzen.» Dieser Perspektivenwechsel ist entscheidend. Ausbildung wird zum direkten Einstieg in die Praxis.
Wie Lehrpersonen neue Freiräume gewinnen
Auch für Lehrpersonen verändert sich der Alltag grundlegend. Stahl Nevis kennt die Herausforderungen: grosse Klassen, wenig Zeit, hohe Erwartungen – oft ohne ausreichende Ressourcen. «Früher brauchte ich einen halben Tag, um ein passendes Praxisbeispiel zu finden. Heute erstelle ich es in zwanzig Minuten», betont Nevis.
Digitale Werkzeuge helfen, Inhalte schneller zu erstellen und besser an lokale Kontexte anzupassen. Die gewonnene Zeit fliesst direkt in die Qualität des Unterrichts.
Mit Comundo zusammen neue Strukturen schaffen, die wirken
Der Wandel am Elimu Resource Centre ist kein Zufall. Er ist das Ergebnis gezielter, langfristiger Zusammenarbeit. Comundo stärkt Berufsbildung in Kenia systemisch – nicht punktuell, sondern entlang der gesamten Ausbildungskette.
Ein zentraler Ansatz ist die Entwicklung von Centres of Vocational Expertise (CoVEx). Diese Ausbildungszentren richten sich konsequent am Arbeitsmarkt aus und setzen gezielt auf Qualität. Dabei wirken mehrere Instrumente zusammen, die dank der Unterstützung von Comundo eingesetzt werden können:
- Weiterbildung von Lehrpersonen: Pädagogische und digitale Kompetenzen werden gezielt aufgebaut und kontinuierlich erweitert.
- Überarbeitung von Lehrplänen: Inhalte werden regelmässig angepasst – basierend auf Rückmeldungen aus der Praxis.
- Investitionen in Infrastruktur: Digitale Tools, Lernplattformen und Ausstattung verbessern die Qualität des Unterrichts nachhaltig.
- Enge Vernetzung mit Unternehmen: Schulen arbeiten direkt mit Betrieben zusammen, wodurch Ausbildung relevanter und praxisnäher wird.
- Stärkung von Institutionen: Schulmanagement und Organisationsstrukturen werden professionalisiert.
Technologie ist dabei kein Selbstzweck. Sie wirkt dort, wo sie in funktionierende Strukturen eingebettet ist.
Lernen, das über den Klassenraum hinausgeht
Der eigentliche Wandel zeigt sich auch dort, wo Lernen flexibel wird. Dies u.a. dank neuen Technologien: Digitale Plattformen ermöglichen Zugang zu Inhalten – unabhängig von Zeit und Ort. Verpasste Lektionen können nachgeholt werden. Wissen wird vertieft und wiederholt.
KI‑Tools unterstützen diesen Prozess aktiv. Sie erklären Inhalte, strukturieren Wissen und begleiten Lernende individuell. So entsteht ein Lernraum, der nicht an den Unterricht gebunden ist – sondern Teil des Alltags wird.
Eine Generation mit Potenzial
Kenia erhält so eine grosse Chance: Wenn es gelingt, junge Menschen mit relevanten Fähigkeiten auszustatten, verändert sich mehr als ihre persönliche Zukunft. Es entstehen neue wirtschaftliche Perspektiven – für ganze Gemeinschaften.
Am Elimu Resource Centre wird dieser Wandel sichtbar. Schritt für Schritt. Oder, wie es Stahl Nevis auf den Punkt bringt:
«Lerninhalte müssen lebendig bleiben.
Digitale Anwendungen machen das möglich.» Stahl Nevis
Von Bokayo Sharamo | 3. Juni 2026 | Kenia
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