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28.11.2023 | Kenia, Bildung

Über Seilspringen und Fussball in Kenia

Nach fünf erfüllten Jahren als Primarlehrerin in der Schweiz wagte ich den Schritt zurück nach Ostafrika, diesmal in die vibrierende Metropole Nairobi, Kenia. Dank der Unterstützung von Comundo konnte ich meine vielseitigen Lehrerfahrungen in einer aufstrebenden kenianischen Organisation namens "GRiC" (Grassroots nest for Innovation and Change) einbringen.

Der Fokus lag darauf, die Qualität der Schulbildung zu verbessern. Mein Kurzeinsatz erlaubte nicht nur tiefere Einblicke in die Arbeit dieser jungen Organisation, sondern ermöglichte mir auch, meine Festanstellung in der Schweiz zu behalten.

Abflug und Ankunft: Gemeinsam in Kenia

Der erste Tag in Kenia, bei den Sisters
Der erste Tag in Kenia, bei den Sisters

Ein neues Kapitel begann, als ich diesmal nicht allein, sondern gemeinsam mit meinem Partner Simon nach Kenia reiste. Comundo ermöglichte uns, in unterschiedlichen, lokal geführten Partnerorganisationen zu arbeiten und gleichzeitig zusammenzuwohnen. Diese einzigartige Dynamik erwies sich während des Einsatzes als unschätzbarer Vorteil. Ein Austauschpartner, um Erfolge und Herausforderungen der neuen Kultur zu teilen, wurde zu einer Quelle grosser Erleichterung. Simon und ich, in verschiedenen NGOs tätig (er bei Gentiana School und ich bei GRiC), profitierten mehr von diesem Austausch, als wir es uns vorgestellt hatten.

Lehrerseminar im Massai-Land: Eine Herausforderung mit Elefanten

Meine Rolle bei GRiC konzentrierte sich auf den Aufbau von Kindergärten in abgelegenen Gebieten, insbesondere im Kajiado County. Obwohl meine Ausbildung mich bisher nur kurz in einen Kindergarten hat blicken lassen, stellte ich mich mutig der Herausforderung. Die ersten Tage waren geprägt von einem neuen Büro, einer neuen Kollegin namens Irene und einem klaren Auftrag: Neue Lehrmethoden für Kindergärten zu entwickeln.

Mein Einsatz nahm eine unerwartete Wendung, als Irene und ich, nur kurz nach ihrem Start, zu einem Lehrerseminar in die südlichen Regionen zu den Massai aufbrachen. Gazellen suchten neben unserer Unterkunft nach Grashälmchen, und die grösste Sorge der Massai? Nicht der Unterrichtsstoff, sondern Elefanten, die das Gelände des Kindergartens zerstörten und die Wasserfässer leerten. Die Lehrer, motiviert aber mit unterschiedlichem Wissensstand, stellten uns vor die Herausforderung, lokale Traditionen mit modernen pädagogischen Ansätzen zu vereinen. Die festen Rollenbilder - Seilspringen für Mädchen, Fussball für Jungs - wurden aufgebrochen, und spielerisches Lernen erhielt Raum.

Am Ende des Lehrerseminars wollen alle zeigen, was sie gemacht haben.
Am Ende des Lehrerseminars wollen alle zeigen, was sie gemacht haben.

Einblick in den Kindergarten: Herausforderungen und Erfolge

Obwohl der Kindergarten nicht mein gewohntes Terrain war, fand ich meinen Platz. Meine Erfahrungen in Organisationsfähigkeit, Zielorientierung und spielerischem Lernen aus der Schweiz erwiesen sich als wertvoll. Gemeinsam mit dem Team strukturierten wir Planungen, entlasteten die Mitarbeitenden und unterstützten bei der Erstellung von Berichten und Anträgen.

Anna erklärt der Lehrerin das Gruppenspiel "Fruchtsalat"

«In der Schnittstelle von Tradition und Moderne wird offensichtlich: Lehrer wünschen sich mehr spielerischen Unterricht aus Liebe zu den Kindern. Jedoch setzen Eltern oft frühzeitig auf schriftliche Multipikation im Kindergarten. Jede Klasse absolviert am Ende des Jahres eine schriftliche Prüfung in allen Fächern, was einen erheblichen Druck auf die Lehrer ausübt.»

Land und Leute: kenianische Gastfreundschaft und Eleganz im Büro

Die Freundlichkeit, Offenheit und Neugier der Kenianer beeindruckten mich. Im Büro legte man grossen Wert auf Eleganz, was für mich als Lehrerin, die eher zweckmässig gekleidet ist, ungewohnt war. Doch das Motto "You don’t dress like your problems" spiegelte die Einstellung wider.

Zukunftsaussichten: Von Erinnerungen und Bedeutungen

Mit vielen Erinnerungen an die Herzlichkeit der Menschen, die kreativen Ideen zum Upcycling und die Fröhlichkeit der Jugendlichen kehre ich in die Schweiz zurück. Der Einsatz mit Comundo und den engagierten Lehrpersonen hat mich zuversichtlich gestimmt, dass positive Veränderungen auch in einer Stadt mit riesigen sozialen Unterschieden möglich sind. Meine Freude an Afrika bleibt bestehen, und ich hoffe, in Zukunft weiterhin in der personellen Entwicklungszusammenarbeit tätig zu sein, um vernetztes Denken, Kreativität und Lösungsorientierung voranzubringen.

Secondhand Kleider-, Früchte-, Mandaazi-Stand am Strassenrand
Secondhand Kleider-, Früchte-, Mandaazi-Stand am Strassenrand

Von Anna Sprecher | 28. November 2023 | Kenia

 

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Anna Sprecher

Primarlehrerin

Anna Sprecher unterstützt GRIC dabei, das Engagement der Eltern zu erhöhen und zu stärken; dies verbessert beispielsweise das Lernen der Kinder zu Hause. Ebenso soll der Austausch zwischen Schulen, der Gemeinde und den Familien gefördert werden. Dies hilft GRIC dabei, ihr stufenbasiertes Lernprogramm zu erweitern.

Die Welt von GRiC: Bildung, Innovation und Veränderung

GRiC, nach der Corona-Pandemie gegründet, arbeitet eng mit lokalen Partnerorganisationen und externen Experten zusammen. Ihr Fokus liegt auf Kindergartenprojekten, "Teaching at the Right Level" (TARL) und Jugendweiterbildung. Mit weniger als 10 Mitarbeitenden halten sie die administrativen Kosten niedrig.