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22.01.2026

Wohnraum gemeinsam gestalten in Bolivien

Der Architekt Alain Vimercati engagierte sich in Bolivien im Bereich der nachhaltigen und gemeinschaftlichen Gestaltung von Wohnräumen. 2013 reiste er aus und war fast zehn Jahre als Comundo-Fachperson im Einsatz. Mit seiner Familie – seiner Frau Carla und seinem Sohn Enrico – ist er vor kurzem von Cochabamba in die Schweiz zurückgekehrt.

Interview von Priscilla de Lima (Übersetzung aus dem Italienischen)

Welche Erwartungen hattest du, als du aufgebrochen bist?

Ich kannte den Kontext bereits ein wenig, weil ich einige Jahre zuvor ein Praktikumsjahr in Cochabamba absolviert hatte – dort habe ich auch Carla kennengelernt, die später meine Frau wurde. Diesmal war die Situation jedoch anders, denn ich reiste mit der Absicht, länger zu bleiben. Einerseits freute ich mich sehr darauf, Carla wiederzusehen und eine neue berufliche Erfahrung in der internationalen Zusammenarbeit zu beginnen. Andererseits hatte ich viele Fragen wie zum Beispiel: Würde diese Erfahrung wirklich meinen Erwartungen entsprechen?

Gemeinsam mit vielen Menschen – vor allem meinen lokalen Kolleginnen und Kollegen – fanden wir nach und nach Antworten, und gleichzeitig stellten sich immer neue Fragen. Insgesamt hoffte ich, im Bereich Architektur arbeiten zu können und dabei soziale und ökologische Aspekte zu stärken. Genau das ist eingetreten: Ich habe enorm viel gelernt und die Ergebnisse haben meine Erwartungen weit übertroffen.

Was hast du von den Menschen gelernt, mit denen du zussammengearbeitet hast?

Ich habe gelernt, wirklich kollaborativ zu arbeiten – sowohl in guten als auch in schwierigen Momenten. Der Teamgeist war immer spürbar und absolut entscheidend dafür, dass wir mit unseren Projekten Wirkung erzielen und zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen konnten.

Architektur und Entwicklungszusammenarbeit haben auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun. Wie siehst du das?

Diese Verbindung habe ich nach all den Jahren verinnerlicht. Die Erfahrungen als Fachperson haben mich geprägt, und ich möchte diesen Bereich auch künftig weiter erkunden. Die Sichtweise, die ich in Bolivien gewonnen habe, lässt sich zudem vollständig auf die Architektur in der Schweiz übertragen: Städte entstehen durch kollektive, dynamische Prozesse. Zusammenarbeit ist entscheidend, um mehr soziale und räumliche Gerechtigkeit sowie ökologische Nachhaltigkeit zu erreichen – vom einzelnen Haus über das Quartier bis hin zur ganzen Stadt. Es geht darum, Lebensräume zu schaffen, die nutzbar, zugänglich, inklusiv und nachhaltig sind.

Kannst du von einem besonders bedeutenden Moment während deines Einsatzes erzählen?

In zehn Jahren hatte ich viele intensive und bereichernde Erlebnisse. Ein Moment, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war das Pflanzen von 2’500 Bäumen, um einen kleinen Wasserlauf zu renaturieren. Mich berührten vor allem die Emotionen der älteren Menschen, die beteiligt waren: Sie waren glücklich, den kommenden Generationen etwas zu hinterlassen, von dem diese noch lange profitieren können.

Aus persönlicher Sicht war natürlich die Geburt meines Sohnes Enrico ein prägender Moment. Es war wunderschön, diese vielen Jahre in Bolivien mit ihm und Carla teilen zu können.

Welche Kompetenzen braucht man, um Fachperson von Comundo zu werden?

Die wichtigsten Fähigkeiten sind Motivation, Leidenschaft, Empathie und Neugier – die Bereitschaft, sich der Welt zu öffnen. Wir sind klein, und die Welt ist gross! Es braucht die Fähigkeit zuzuhören, geduldig zu sein und die Einsicht, dass man nicht alles auf einmal verändern kann. Jede Veränderung beginnt bei einem selbst.

Würdest du anderen empfehlen, Fachperson von Comundo zu werden?

Ganz klar: Ja! Es sind einzigartige Erfahrungen. In einem anderen kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Umfeld zu leben, zwingt dich dazu, zuzuhören und zu verstehen: Wie arbeitet und lebt man anderswo? Wie gestaltet man Beziehungen in einem neuen Kontext? Solche Erfahrungen fördern den Dialog zwischen Menschen und Kulturen.

Es lohnt sich vollständig und ich empfehle es von Herzen. Diese Einsätze prägen einen sowohl beruflich als auch persönlich. Also: Wagt den Schritt!

Wie fühlt es sich an, nach so vielen Jahren in das Tessin zurückzukehren?

Nach so langer Zeit in Bolivien fühlt es sich seltsam an, wieder in der Schweiz zu sein. Die Umstellung ist gross – auch für meine Frau und meinen Sohn. Aber all die Erfahrungen, Begegnungen und gemeinsamen Momente bleiben Teil von mir. Zudem hat mir diese Zeit den Weg geebnet, in der Schweiz eine neue berufliche Chance in der nachhaltigen Landschafts- und Stadtplanung zu ergreifen – gar nicht so weit entfernt von dem, was ich in Bolivien gemacht habe.

Langfristig würde ich gerne wieder in der internationalen Zusammenarbeit tätig sein und meine Kompetenzen dort einbringen. Mal schauen, was die Zeit bringt.

Unser Engagement in Bolivien

In Bolivien trägt Comundo dazu bei, die Ernährungssicherheit der lokalen Gemeinschaften zu stärken, indem der Umweltschutz, die Einführung agroökologischer und nachhaltiger Praktiken sowie die Entwicklung fairer, lokal verankerter Vermarktungsmöglichkeiten gefördert werden.

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