Verschmutzungen in 300 Kilometer Entfernung
Kinder mit Hautausschlägen am ganzen Körper und Arsen im Blut. Neue Untersuchungen stärken den Verdacht, dass Antamina, eine der grössten Kupfer- und Zinkminen der Welt, für die Umweltprobleme verantwortlich ist.
Knapp 300 Kilometer. So weit transportiert die peruanische Kupfer- und Zinkmine “Antamina” ihre abgebauten Rohstoffe über eine Pipeline, bis sie das Land verlassen; von den Höhen der Anden auf 4300 Meter über Meer bis zur peruanischen Küste zur weltweiten Verschiffung. Jeden Tag treffen Kupfer- und Zinkkonzentrate in der Hafenstadt Huarmey ein, nachdem sie durch eine riesige Mineralröhre ihren Weg zur Küste zurückgelegt hat, um anschliessend zu Märkten auf der ganzen Welt zu gelangen. Doch nun wurden in Huarmey bei Kindern und schwangeren Frauen sehr hohe Arsenwerte festgestellt. Dies zeigt eine Reportage der Konzernverantwortungsinitiative KOVI. Die Mine gehört zu zwei Dritteln den in der Schweiz ansässigen multinationalen Konzernen Glencore und BHP.

Was bleibt vor Ort zurück?
Seit 2001 werden in Antamina hauptsächlich Kupfer und Zink, aber auch Molybdän (Übergangsmetall), Silber und Blei abgebaut. Die in der Nähe des Standorts lebende Bauernbevölkerung prangert jedoch seit vielen Jahren die Auswirkungen des Bergbaus an, die sie als schädlich erachtet. Seit November 2023 sprechen weitere Berichte zudem von sehr hohen Arsenwerten in der Umgebung des Bergwerks. Doch nicht nur das: Das Problem reicht bis ans Meer, fast 300 km entfernt.
Hautausschläge am ganzen Körper, Schmerzen in den Beinen und Knochen, Kopfschmerzen und Probleme mit den Bronchien. Das sind die Symptome zweier Mädchen im Alter von 8 und 12 Jahren, die in der kleinen Hafenstadt Huarmey leben, wie ihre Mutter berichtet. Beide Mädchen weisen erhöhte Arsenwerte im Blut auf, ebenso wie viele andere Verwandte und Nachbarn. Auch wenn die Mine von hier aus nicht zu sehen ist, sind die Auswirkungen ihres Betriebs spürbar.
Wie gelangen die Schwermetalle in das Blut der Menschen?
Der Schlüssel liegt im Transport: Die Schwermetalle werden in Antamina mit Wasser gemischt, bevor sie über eine Rohrleitung zum Hafen an der Küste Perus befördert werden. Die Metalle werden anschliessend in einer Filteranlage in Huarmey vom Wasser getrennt und in Form eines pulverförmigen Konzentrats gelagert, bevor sie auf Frachtschiffe verladen werden. So fliessen sie in den weltweiten Handel. Was übrig bleibt, ist metallbelastetes Wasser. Für die lokale Bevölkerung ist nun klar, dass die Verschmutzung in Huarmey nur von der Filteranlage stammen kann.
Ein Problem, dass auch uns betrifft
Die Schweiz ist eines der weltweit wichtigsten Zentren für den Rohstoffhandel. Ausserdem ist sie das Land, in dem die beiden Hauptaktionäre von Antamina ihren Sitz haben: Glencore und BHP (Broken Hill Proprietary Company). Wenn ein multinationales Unternehmen mit Sitz in unserem Land an Bergbauaktivitäten im Ausland beteiligt ist, betrifft uns diese Angelegenheit unmittelbar: Es geht um die Regeln, die wir festlegen, die Transparenz, die wir einfordern und die Art von Wirtschaft, die wir unterstützen wollen. Das ist keine abstrakte Verantwortung. Aber es ist eine sehr konkrete Frage: Ist unser geschaffener Wohlstand in der Schweiz akzeptabel, wenn er anderswo Umweltverschmutzung, Gesundheitsrisiken und hilflose Gemeinschaften hinterlässt?
Was macht Comundo?
Comundo unterstützt die Recherche-Arbeiten der Koalition für Konzernverantwortung in Peru mit Kontakten und Hintergrundinformationen. Eine Reportage wie jene über Antamina kann ein Problem in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Eine Kampagne kann daraus politischen Druck machen. Doch wenn die Kameras ausgeschaltet sind, bleibt vor Ort eine weniger sichtbare, aber entscheidende Aufgabe: zuverlässige Informationen zu sammeln, Kompetenzen zu vernetzen, die Gemeinschaften zu begleiten und Ansprechpartner aufzubauen, die langfristig etwas bewirken können.
Comundo macht dies durch die Unterstützung von Partnerorganisationen, welche wiederum die Bürger:innenbewegung der Betroffenen von Schwermetallen begleiten. In dieser Bewegung, bekannt unter dem Kürzel PLANAMETOX, organisieren sich auch die Mütter von Huarmey, um gemeinsam mit Betroffenen aus anderen Regionen gegenüber den Behörden einzufordern, dass die Ursache der Verschmutzung identifiziert und Massnahmen ergriffen werden. Comundo hat die Webseite der PLANAMETOX (https://planametox.org/) finanziert, worin zu den verschiedenen Fällen und den Aktivitäten der Organisation informiert wird.
Der Fall in Huarmey ist kein Einzelfall
Deshalb ist die Präsenz vor Ort entscheidend, kommentiert die Comundo Fachperson Thomas Niederberger: «Leider ist der Fall der durch Arsen vergifteten Kinder in Huarmey kein Einzelfall. Das peruanische Gesundheitsdepartement schätzt, dass 10 Millionen Menschen – ein Drittel der Bevölkerung – gefährlich hohen Arsen- und Schwermetallkonzentrationen ausgesetzt sein könnten - u.a. wegen Bergbauaktivitäten. Das unermüdliche Engagement von PLANAMETOX hat dazu geführt, dass sich die Behörden dieser tickenden Zeitbombe zunehmend bewusst werden. Vor allem die Frauen, deren Kinder erkranken, haben sich organisiert und kämpfen. Sie verdienen unsere volle Unterstützung, gerade weil wir wissen, dass Schweizer Unternehmen darin verwickelt sind.»
Auf der Website https://planametox.org/ werden neben Huarmey noch 14 weitere Fälle beschrieben.
Glencore verklagt die Koalition für Konzernverantwortung
Glencore hat ein provisorisches Urteil erwirkt, das es der Koalition für Konzernverantwortung aktuell verbietet, wie geplant 600'000 Flyer zu dieser Untersuchung zu Antamina in Schweizer Haushalte zu senden. Diese Strategie ist kein Einzelfall. Die Zahl der Gerichtsverfahren, die darauf abzielen, kritische Stimmen der Zivilgesellschaft einzuschüchtern, nimmt weltweit zu. Wir müssen gemeinsam gegen diesen Trend ankämpfen. Anstatt zu versuchen, diejenigen einzuschüchtern, die diese Probleme anprangern, sollte Glencore endlich Massnahmen gegen die in ihren Minen stattfindende Umweltverschmutzung in Peru ergreiffen! Unterzeichnen Sie jetzt den Protestbrief:
https://konzernverantwortung.ch/protestbrief-glencore-verfahren/
Comundo-Fachpersonen in Peru, welche regelmässig Recherchen wie diese unterstützen:

Thomas Niederberger, Sozialanthropologe, unterstützt die Comundo-Partnerorganisation CooperAcción bei der Lobbyarbeit, der Sensibilisierung und der Vernetzung mit anderen Akteuren rund um das Thema Bergbau.

Der Journalist Aaron Wörz unterstützt die Comundo-Partnerorganisation «Ojo Público» im Bereich des investigativen Journalismus, insbesondere bei Recherchen zu Umweltthemen und Menschenrechtsverletzungen.