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25.05.2020

Positiver Wandel durch Bestärkung

Schöne Wohnung, gute Jobs – dagegen entschieden sich Marianne-Sonja und Markus Kieper-Ried aus Zürich vor drei Jahren und reisten mit Comundo auf die Philippinen. Im Februar vom Einsatz zurückgekehrt, erzählen sie, wie es ihnen jenseits der Komfortzone ergangen ist.

Wichtiger als der Einsatzort war für sie von Anfang an das Projekt: Sie wollten ihren Traum, im Ausland Gutes zu tun statt gut zu leben, nur dann verwirklichen, wenn sie ihr Fachwissen direkt anwenden konnten. Als Comundo ihnen passende Projekte vorschlug, war für sie der Fall klar: Sie entschieden sich nach Kalinga, eine Provinz so gross wie der Kanton Luzern, in den Bergen der philippinischen Insel Luzon, zu reisen. Es war ein bewusster materieller Verzicht, ein Hinter-sich-lassen des Gewohnten, um sich auf neue Herausforderungen einzulassen – persönlich und beruflich.

Bestärkung statt Bestrafung
Die Bewegungstherapeutin und der Schulsozialarbeiter brachten ihr psychologisches Wissen und ihre Berufserfahrung bei ihrer Partnerorganisation, dem Apostolischen Vikariat in Tabuk, ein. Als Ehepaar war es ihnen wichtig, ihre Arbeitsbereiche möglichst klar zu trennen. So unterstützte Marianne-Sonja die Social Action Commission mit Weiterbildungen zu psychologischer Beratung und mit Friedens- Versöhnungs- und Gefängnisarbeit. Im Bezirksgefängnis von Tabuk bildete sie die Wärterinnen weiter und half den Insassinnen mit Gesprächstherapie und Yoga, sich zu entspannen und Schlafstörungen anzugehen.
Markus arbeitete in der Education Comission mit Schulpsychologinnen und -psychologen zusammen und unterstützte sie bei der Ausarbeitung einer Kinderschutzverordnung, welche die Schulen des Vikariats für die staatliche Akkreditierung brauchten. Diese verbietet beispielsweise körperliche Züchtigung in Schulen, was die Lehrpersonen vor die Frage stellt, wie sie ihre grossen Klassen disziplinieren; ihnen konnte Markus Alternativen aufzeigen.

Fern von Gewohnheit
Auch wenn die beiden vor der Ausreise in einem dreiwöchigen Kurs Module zu interkultureller Kommunikation besuchten und stets das Ziel hatten, den Menschen um sie herum auf Augenhöhe zu begegnen, so war dies nicht einfach. Bei Sitzungen beispielsweise sprachen jüngere Mitarbeitende der Partnerorganisation die beiden nicht direkt an, weil das gegen die gelebte Hierarchie der Schamkultur sprechen würde. Zwar zeugten Neckereien in weniger formellen Situationen von einer entstandenen Beziehung, doch es blieb schwierig, echte Freundschaften zu knüpfen und den «Gaststatus» abzulegen. Auch um die Ilokano-Sprache zu beherrschen oder die indigenen Rituale, welche die Kalingas eng mit dem christlichen Glauben verknüpfen, vertieft zu verstehen, reichten drei Jahre nicht aus.

Auf dem Weg zum Frieden
Welchen Beitrag die beiden mit ihrer Arbeit zum Friedensprozess in Kalinga, einer von Stammeskonflikten geschüttelten Region, geleistet haben, ist schwer in Zahlen messbar. Sichere Werte sind aber aus dem Feedback von Menschen herauszulesen, mit denen sie direkt zusammengearbeitet haben: «Du warst die erste Person, die die Frauen im Gefängnis während mehrerer Jahre regelmässig besucht hat; zum Glück haben wir einige deiner Entspannungstechniken auf Video aufgenommen, damit wir ihnen weiterhelfen können, wenn du weg bist», bedankte sich eine der Wärterinnen des Bezirksgefängnisses in Tabuk bei Marianne-Sonja. Markus hingegen weiss, dass die gemeinsam erarbeitete Kinderschutzverordnung angewandt wird, wenn er weg ist. Eine Rückmeldung, welche ihn besonders freut, bekam er von einer der Schulpsychologinnen in Tabuk, die trotz ihres Psychologiestudiums nicht halb so viel verdienen wie die Lehrpersonen, weshalb sie oft nicht richtig ernstgenommen werden. Sie meinte, er habe ihnen gezeigt, wie wichtig ihr Beruf sei und dass sie durch ihn einen gewissen Berufsstolz erworben haben.
 


Ein schönes Beispiel dafür, wie Personelle Entwicklungszusammenarbeit funktioniert: gegenseitig von anderen lernen und übernehmen, was man am Gegenüber schätzt.

 

Erfahrung fürs Leben
So haben auch Marianne-Sonja und Markus viel Positives in die Schweiz zurückgebracht: Eine generelle Gelassenheit, Offenheit für spontane Lösungen und Improvisationstalent. Sie haben erfahren, was es heisst, fremd zu sein und zu versuchen, sich in eine Gesellschaft zu integrieren, die nicht die eigene ist. Dieses Gefühl, das schwerer wiegt als alles theoretische Wissen, wollen sie sich bei ihrer künftigen Arbeit in der Schweiz – wohl wieder mit Menschen aus verschiedenen Kulturen – zunutze machen.

 

Text: Lina Aerni

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