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21.04.2026 | Kolumbien, Menschenrechte und Demokratie

Wir sind moderne "Schatzsuchende"

Diese Geschichte basiert auf der Reise einiger Comundo-Mitarbeitenden, welche die Region Boyacá in Zentralkolumbien besucht haben. Zusammen mit der Partnerorganisation PDP Boyapaz versucht Comundo nachhaltige Initiativen zu fördern, bspw. mittels Agrotourismus. Mit eigenen Augen konnten die beiden Fachleute Pablo Rebetez und Jhon Fredy Arias miterleben, wie sich Kleinbauern von traditionellen Tätigkeiten lösen um neue, vielversprechende Wege einzuschlagen.

Gemeinsam lässt sich viel verändern: Comundo-Fachleute in Kolumbien zusammen mit Mitarbeitenden lokaler Partnerorganisationen.

Von Pablo Rebetez und Jhon Fredy Arias

Die neuen Schatzsucher

Westlich von Boyacá haben die "Guaqueros" - vom Quechua-Wort "Guaca", was heiliger Ort oder Schatz bedeutet - schon immer nach Smaragden gegraben. Jahrzehntelang waren in den Boyacá-Bergen die wertvollsten Smaragde der Welt versteckt, was zu Tausenden von Toten im Kampf um die Kontrolle der Region führte. Diese Zeit ist als der "Grüne Krieg" bekannt. 

 

Traditionelle Guaqueros
Traditionelle Guaqueros

Heute ist eine neue Generation von Guaqueros auf denselben Strassen unterwegs. Sie tragen keine Spitzhacken, sondern Notizbücher bei sich. Sie suchen nicht nach Steinen, sondern nach Menschen. Sie sind die Fachleute von Comundo, die auf der Suche nach sozialen Schätzen sind, die viel wertvoller sind als Smaragde: nach Frauen und Männer, die das Schicksal dieser Region neu gestalten.

Von der Koka zum Kakao: Das Herz im Wandel

Die Reise beginnt in Bogotá. Drei Stunden mit dem Bus nach Chiquinquirá, dem Sitz von Boyapaz, unserer Partnerorganisation von Comundo. Dann geht es vier Tage lang über kurvenreiche Strassen in eine Region von immenser Schönheit, die noch immer wenig bekannt ist.

Nach der Zeit des Grünen Krieges kam der illegale Kokaanbau als Alternative hinzu. Anfang der 2000er Jahre kam der Wendepunkt: der von der nationalen Regierung vorgeschlagene "Plan Colombia", der den illegalen Anbau ersetzen sollte. Die Bewohner der Region entschieden sich daraufhin für den Kakao-Anbau.

Don Pantaleón, ein Bewohner der Region, den wir im Februar dieses Jahres bei einem Besuch trafen, erklärt dies mit Worten, die wie Poesie klingen: «Sie haben die Koka aus der Erde und aus unseren Herzen gerissen, um Kakao zu pflanzen, der die Herzen verbindet.»

Der Geschmack der Kakaopflanze ähnelt jenem von Litschis, wenn das Fruchtfleisch noch weiss ist.
Der Geschmack der Kakaopflanze ähnelt jenem von Litschis, wenn das Fruchtfleisch noch weiss ist.
Die Früchte der Kakaopflanze.
Die Früchte der Kakaopflanze.

Eine Schokoladentafel reist quer durch Kolumbien

 

"Kakaoteros" ist der Markenname einer Familie aus Pauna, die den Kakao zu ihrer Chance gemacht hat. Sie kultivieren und produzieren Kakao und handwerklich hergestellte Schokolade, verkaufen sie im Dorf Pauna und in der Region Boyacá bei Bogotá und exportieren sie sogar in die Vereinigten Staaten. In einer Region mit schwierigen Strassen ist das eine ganz aussergewöhnliche Leistung.

Zu dieser Schokolade können wir eine Anekdote erzählen: Vor einigen Monaten kaufte ich (Pablo Rebetez) in der Casa de la Paz in Bogotá eine Tafel Schokolade als Weihnachtsgeschenk. Die Verpackung hatte mich beeindruckt, die beschriebene Geschichte auf der Verpackung hatte mich bewegt. Wochen später, während dieses Besuchs vor Ort, betrat ich einen kleinen Laden der Familie in Pauna. In den Regalen stand dieselbe Packung mit Schokolade.

In diesem Moment wurde alles real: der Weg von der Pflanze zum Tisch, von der Gewalt zum Frieden, von der Not zur Hoffnung.

Von links: Eine Angestellte von kakaoteros, Tony Zuber (Leiter des Landesprogramms von Comundo in Kolumbien), Pablo Rebetez (4.v.l.), Jhon Fredy Arias Duque (2.v.r.), zusammen mit Kollegen unserer Partnerorganisation PDP Boyapaz.
Von links: Eine Angestellte von kakaoteros, Tony Zuber (Leiter des Landesprogramms von Comundo in Kolumbien), Pablo Rebetez (4.v.l.), Jhon Fredy Arias Duque (2.v.r.), zusammen mit Kollegen unserer Partnerorganisation PDP Boyapaz.

Frauen als "berracas" treiben den Wandel voran 

 

Auf der Finca "Las Delicias", die wir im Rahmen dieser Reise besuchten, trafen wir 11 Unternehmer. Oder besser gesagt: Unternehmerinnen, denn die meisten von ihnen sind Frauen, die sich selbst als "berracas" bezeichnen, d. h. als mutig, zäh und unaufhaltsam.

Die Besitzerinnen von Las Delicias haben einen florierenden Agrotourismus aufgebaut: Schwimmbad, Fischzucht, Obstbäume. Alles, was sie ihren Gästen servieren, stammt aus eigener Produktion. Aber vor allem haben sie ihre Nachbarn inspiriert. Eine produziert Panela (unverarbeiteten Rohrzucker), eine andere Kaffee, eine verkauft Eier, eine andere hat eine Wasseraufbereitungsanlage gebaut. «Aus kleinen Dingen können wir grosse Dinge erschaffen», meint eine von ihnen.

 

Begleiten, nicht ersetzen

 

Als Comundo-Fachleute kommen wir nicht mit vorgefertigten Lösungen. Wir hören zu, wir lernen, wir erkennen Potenziale. Wir arbeiten daran, Netzwerke zu schaffen, den Austausch zu erleichtern und Beratung anzubieten. Aber Lösungen werden gemeinsam mit der lokalen Gemeinschaft erarbeitet.

Wir sind wie moderne Guaqueros: Wir graben keine Schätze aus, sondern bringen sie zum Vorschein.

Die Reise in den Westen Boyacás war für uns eine Reise der Hoffnung. Jeder Mensch, den wir getroffen haben, erzählt eine Geschichte von Widerstandskraft, von mutigen Entscheidungen und von einer Zukunft, die Tag für Tag aufgebaut wird. Die neuen Schätze wie Ökotourismus, vermehrter Umweltschutz, Null-Kilometer-Feldprodukte und die Wiederbelebung überlieferter, nachhaltiger Anbaupraktiken sind unendlich viel wertvoller als Smaragde: Sie stehen für veränderte Leben, wiedergeborene Gemeinschaften und neue Hoffnung.

Jetzt liegt der Ball bei uns: Liebe Leserin, lieber Leser, ihr Beitrag kann etwas bewirken. Indem Sie Comundo unterstützen, helfen Sie, diese Projekte zu stärken, diese Erfolgsgeschichten zu vervielfachen und weitere Leben zu verändern. Denn es ist wahr: Aus kleinen Dingen können wir grosse Dinge machen. Aber nur, wenn wir es gemeinsam tun.

 

 

 

Ihre Spende hilft, solche vielversprechenden Initiativen vor Ort weiter zu unterstützen. Vielen Dank!

 

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Jhon Fredy Arias Duque

Umweltmanager

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Pablo Rebetez

 

Berater für Monitoring und Evaluation

 

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