Peru: Die Arroganz multinationaler Unternehmen
Der Schweizer Multi Glencore investiert Millionen, um sein Image zu verbessern. Doch die Praktiken, mit denen die Rechte indigener Völker in Ländern wie Peru missachtet werden, bleiben problematisch. Deshalb bleibt Comundo wachsam. Von Thomas Niederberger
In der Provinz Espinar im Süden Perus stellt der Kupferabbau sowohl ein wirtschaftliches Versprechen als auch eine Quelle tiefgreifender sozialer und ökologischer Ungerechtigkeit dar. In diesem komplexen Kontext findet meine Arbeit als Comundo-Fachperson statt. Ich unterstütze lokale Partnerorganisationen, die für einen verantwortungsvolleren Bergbau kämpfen.
Eine von Aktionären gewünschte, von Einheimischen jedoch gefürchtete Expansion
Im Mittelpunkt der Spannungen steht die Antapaccay-Mine des multinationalen Unternehmens Glencore. Eine geplante Erweiterung soll den Abbau mindestens für die nächsten 40 Jahre gewährleisten. Das Projekt soll die Produktion verdoppeln und wurde auf einer Aktionärsversammlung im Dezember 2025 mit den Worten vorgestellt, "es ist ganz einfach: Wir fangen bald an zu graben, zu graben, zu graben".
Bei den indigenen Gemeinschaften die vor Ort leben, wirft das Vorhaben ernsthafte Bedenken auf. Die Quechua sprechenden K'ana sind seit jeher mit diesem Territorium verbunden.
Eines der Hauptprobleme ist der Landerwerb. Zwei Gemeinden – Pacopata und Huini Coroccohuayco – laufen Gefahr, ohne ein angemessenes Konsultationsverfahren umgesiedelt zu werden. Nach internationalen Standards haben indigene Völker das Recht auf freie Zustimmung, eine vorherige Information sowie auf eine Entschädigung, die gleichwertige oder bessere Lebensbedingungen garantiert. Die Verhandlungen finden jedoch auf undurchsichtige Weise statt – ohne unabhängige Beobachter und mit Druck auf die lokalen Gemeindebehörden.
Niemand glaubt mehr an die "Fabel der natürlichen Mineralisierung"
Gleichzeitig leidet die Region seit Jahren unter schweren Umweltverschmutzungen, die Glencore nach wie vor als "natürliche Mineralisierung" abtut; und dies, obwohl der peruanische Staat eine der gründlichsten Kausalitätsstudien überhaupt (im internationalen Vergleich) erstellt hat, die belegt, dass die Mine eine Quelle der Verschmutzung ist. Die hohe Qualität dieser Studie wurde von einem unabhängigen Experten, Professor Bernhard Wehrli von der Eidgenössischen Technischen Hochschule ETH in Zürich, bestätigt. Wehrli stellt fest, dass es einen eindeutigen kausalen Zusammenhang zwischen den Bergbauaktivitäten und der Wasserverschmutzung gibt.
Die Beweise dafür, dass die Mine für das gravierende Verschmutzungsproblem in Espinar verantwortlich ist, sind erdrückend. Im Oktober 2025 wurde Glencore deswegen von der peruanischen Umweltbehörde OEFA (Organismo de Evaluación y Fiscalización Ambiental) wegen Luftverschmutzung durch Staub in der südlichen Grube seiner Antapaccay-Mine mit einer Geldstrafe von 5,5 Millionen Soles (1,6 Millionen Dollar) belegt. Dies ist eine der höchsten von der OEFA verhängten Umweltstrafen. Das Verschmutzungsproblem der Glencore-Mine ist auch Gegenstand eines derzeit laufenden Gerichtsverfahrens, das von den betroffenen der Schwermetallverschmutzung in Espinar angestrebt wurde. Unter dem Namen PAMETEC (Plataforma de Afectados por Metales Toxicos – Espinar Cusco) ist diese Gruppe Teil einer Landesweiten Bürger:innenbewegung, welche von Comundo unterstützt wird (siehe Webseite https://planametox.org/).
„Teile und herrsche“ oder faire Verhandlungen?
Die Strategie des multinationalen Unternehmens bestand bisher darin, seine Verantwortung zu leugnen, die Professionalität der Studien in Frage zu stellen und die Ansprüche der indigenen Gemeinschaften herunterzuspielen. Doch die Folgen für die Bevölkerung sind dramatisch: Auf den verschmutzten Feldern stirbt das Vieh, und auch die Menschen werden krank, während es an einer angemessenen Gesundheitsversorgung fehlt.
Glencore schaffte derweil über die Jahre ein Klima des Misstrauens und der sozialen Fragmentierung unter der Bevölkerung, indem gewisse Gruppen zum Nachteil anderer begünstigt wurden. Dies macht es ausserordentlich schwierig, Lösungen zu finden, die dem Willen einer Mehrheit gerecht werden.
«Durch die Stärkung lokaler Organisationen und der Förderung der Menschenrechte tragen wir dazu bei, dass Gemeinschaften ihrer Stimme Gehör verschaffen können.» Thomas Niederberger, Comundo-Fachperson
Vielleicht ist es Zeit für einen Durchbruch?
Möglicherweise hat man in der Glencore-Zentrale im schweizerischen Zug erkannt, dass ein Umdenken bei der Tochtergesellschaft Antapaccay nötig ist, die bisher viel (zu viel?) Entscheidungsfreiheit genoss: Seit kurzem zeigt sich der Konzern bereit, das Rahmenabkommen mit der Provinz Espinar neu zu verhandeln, was einer langjährige Forderung der Bevölkerung entgegen kommt. Aufgrund der schlechten Erfahrungen fällt es jedoch schwer, den Absichten des Unternehmens zu trauen. Dafür wären konkrete Massnahmen erforderlich, wie die Anerkennung von Schäden mit entsprechenden Ersatzzahlungen, die Veröffentlichung von Umweltüberwachungsdaten, und einem klaren Bekenntnis zum Schutz von kritischen Stimmen und demokratischer Meinungsäusserung.
Hier setzt die Arbeit von Comundo und unseren Kooperationspartnern an. Durch die Stärkung lokaler Organisationen und der Förderung der Menschenrechte tragen wir dazu bei, dass Gemeinschaften ihrer Stimme Gehör verschaffen können. Durch den fairen Dialog zwischen der Bevölkerung, den Behörden und den Unternehmen sollen die Lebensbedingungen konkret verbessert werden. Es ist nach wie vor so, dass die Bevölkerung von Espinar nicht grundsätzlich gegen den Bergbau eingestellt ist. Es gibt somit eine gute Basis für Vereinbarungen, sofern die Firma mit guten Absichten verhandelt und sich bereit zeigt, einen fairen Anteil der Rekordgewinne, die vom Kupferboom erwartet werden, an die Region zurückzugeben.
Von Thomas Niederberger | 28. April 2026 | Peru
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