Neue Perspektiven dank eigenem Gemüse
In El Alto, der jungen Nachbarstadt von La Paz in Bolivien, setzen Frauen auf biologische Selbstversorgung – und gewinnen damit an Würde, Unabhängigkeit und Gemeinschaft. So auch die junge Dina Condori Tarqui oder Zenobia Colque Plata, die mit ihrem Einkommen ihre Familien kaum über Wasser halten konnte.
Stolz präsentieren Zenobia und Dina ihr eigenes Gemüse. Sie sitzt dabei in einem üppig wachsenden Gemüsebeet in ihren eigenen neuen Gewächshäusern. So strahlen hat man die beiden schon lange nicht mehr gesehen. Denn ihre letzten Jahre waren mit viel Kummer verbunden.
In ländlichen Regionen Boliviens wie in El Alto kämpfen viele Familien mit steigenden Preisen und unvorhersehbaren Wetterbedingungen. Überschwemmungen und Dürren wechseln sich ab, Ernten werden unberechenbar. Randgebiete werden dabei stärker vernachlässigt; da fehlt es besonders an frischen, gesunden Lebensmitteln. Frauen und Kinder sind am stärksten betroffen – sie leiden zuerst unter Mangelernährung und den sozialen Folgen der wirtschaftlichen Unsicherheit.
Biologische Selbstversorgung als Antwort
Doch gemeinsam mit der Comundo-Partnerorganisation FOCAPACI (ein Ausbildungs- und Schulungszentrum für Bürgerbeteiligung) sowie der Comundo-Fachperson und Marketingfachfrau Jhoselin Loren Challco wurde eine nachhaltige Lösung geschaffen: die Frauen werden beim biologischen Anbau und der Vermarktung von eigenem Gemüse und eigenen Früchten unterstützt. Zusätzlich erhalten sie ein Gewächshaus für ihren Anbau.
Dina und Zenobia beispielsweise lernten, wie sie Gemüse und Früchte in einem kleinen Gewächshaus anbauen, verarbeiten und vermarkten können. Das verbesserte nicht nur die Ernährung ihrer Familien, sondern auch ihr Selbstvertrauen und ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit. Dank der eigenen Ernte essen ihre Familien heute frischer, bewusster – und nachhaltiger.
«Das Gewächshaus gibt mir Struktur und Halt, besonders in schwierigen Zeiten.
Die Arbeit dort gibt meinem Alltag Sinn und hilft mir, neue Perspektiven zu finden.» Dina Tarqui
Lernen, teilen, wachsen
Der Wissensaustausch ist ein zentraler Bestandteil des Projekts. Frauen wie Dina Tarqui oder Zenobia Colque geben ihre Erfahrungen an Nachbarinnen, Familien und Freundinnen weiter. So entstehen neue Lernräume. Es wird sogar generationenübergreifend gearbeitet und gelernt. Das Projekt fördert nicht nur Fähigkeiten im Gartenbau, sondern auch Selbstbewusstsein, Solidarität und Gemeinschaftssinn.
Gemeinschaft als Stärke
Jetzt entfaltet das Projekt Wirkung weit über die Gärten hinaus. In den Quartieren entstehen Netzwerke, in denen sich Frauen gegenseitig unterstützen. Sie organisieren gemeinsame Aktivitäten und verkaufen auf Märkten ihre Produkte. Messen, Workshops und Nachbarschaftsfeste fördern den Zusammenhalt und machen den biologischen Anbau zu einem verbindenden Element für die ganze Gemeinschaft.
«Viele Familien kamen nach El Alto in der Hoffnung auf bessere Zukunftschancen für sich und ihre Kinder. Heute finden sie in ihren Gewächshäusern neue Perspektiven.» Jhoselin Loren Challco, Comundo-Fachperson
Bildung und Zukunft
Viele Familien kamen nach El Alto in der Hoffnung auf bessere Zukunftschancen für ihre Kinder. Heute finden sie dank ihren eigenen Gewächshäusern neue Perspektiven: Zugang zu gesunder Ernährung, praktische Bildung und ein stärkeres Bewusstsein für Nachhaltigkeit.
Hoffnung, Wissen, Solidarität
Die Erfahrungen aus El Alto zeigen eindrücklich: Mit Engagement, Wissensaustausch und Gemeinschaftssinn lassen sich selbst schwierige Lebensumstände überwinden. Biologische Selbstversorgung ist mehr als nur Ernährung – sie bedeutet Würde, Selbstbestimmung und Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Von Jhoselin Loren Challco | 10. November 2025 | Bolivien
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