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18.02.2021 | Bolivien, Gesundheit

Jugendliche helfen Jugendlichen in der Krise

Aufgeklärte Kinder und Jugendliche, im Kampf für eine bessere Umwelt und weniger Gewalt in der Familie – die Jugendgruppen unserer Partnerorganisation Wiñay Pacha sind auch in der Krise ein Erfolgsmodell. Von Florine Salzgeber

«Was geschehen ist, ist nicht einfach.
Aber ich habe in dieser Jugendgruppe viel Unterstützung erhalten.»

Meine bolivianische Partnerorganisation Wiñay Pacha entwickelt seit Jahren wirksame Methoden zum Schutz und zur Begleitung von Kindern und Jugendlichen aus Cochabamba, die Opfer von Misshandlungen oder sexueller Gewalt wurden oder sich in einer Risikosituation befinden. Sie macht dies beispielsweise mit der Gründung von Jugendgruppen: Kinder und Jugendliche werden aufgeklärt und in ihrer Persönlichkeit gestärkt. Sie lernen, warum es wichtig ist die Umwelt zu schützen, wie man eine Teenagerschwangerschaft vermeiden kann oder warum häusliche Gewalt nicht zum normalen Alltag gehört, auch nicht in einer Pandemie. Die Gruppen organisieren Aktivitäten und helfen wiederum anderen Kindern und Jugendlichen. 

Etwas an die Gesellschaft zurückgeben 

Rosa Mariela Luizaga Gutiérrez ist eine junge Bolivianerin, die weiss was es heisst, Gewalt in der eigenen Familie erleben zu müssen: „Was geschehen ist, ist nicht einfach. Aber ich habe in dieser Jugendgruppe viel Unterstützung erhalten und möchte nun auch etwas davon zurückgegeben. Darum engagiere ich mich so“, erklärt mir Mariela mit ruhiger Stimme.  

Die 22-jährige ist Leiterin eines Kinder- und Jugendkomitees von Wiñay Pacha in Sacaba, einem Vorort von Cochabamba. 15 Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 25 Jahren tauschen sich hier regelmässig aus und ergreifen zum Beispiel Massnahmen zum Schutz der Umwelt oder zum Schutz junger Mädchen vor Teenagerschwangerschaften. „Auch während der Covid-Krise sind wir aktiv. Wir haben Videos gemacht über die Probleme in unseren Wohngebieten und sie über die sozialen Medien verbreitet“, erläutert Mariela. 

 

Von der Aussenseiterin zur Leaderin 

Die junge Frau wirkt vertrauenserweckend und voller Tatendrang, wenn sie mir von den Aktivitäten in ihrer Kinder- und Jugendgruppe erzählt. Sie möchte ihre Wohngegend zu einem besseren Lebensraum machen für Kinder, Jugendliche und Frauen – oft die schwächsten Mitglieder der bolivianischen Gesellschaft. Doch ihre Selbstsicherheit entwickelte sich erst dank der Unterstützung von Wiñay Pacha: „Ich war früher sehr schüchtern. Meine Familie zog aus dem Tiefland in ein ländliches Dorf in der Nähe von Cochabamba, und ich wurde wegen meines Akzents von den anderen Kindern gehänselt. Seit bald zehn Jahren bin ich in verschiedenen Komitees aktiv. Dort habe ich gelernt, Probleme anzusprechen. Ich kann jetzt für andere einstehen, die es selbst nicht können. In den Komitees habe ich eine Kultur des Miteinanders und des gegenseitigen Respekts kennengelernt. Und ich habe viel Wissen über lebenspraktische Themen erworben – sonst wäre vielleicht auch ich früh Mutter geworden und hätte nicht studieren können“, ist sich Mariela sicher.

Comundo-Fachleute wie Florine Salzgeber leisten einen wichtigen Beitrag, um Kinder und Jugendliche in Cochabamba vor Gewalt zu schützen.
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Gut gemeinte Gesetze auf dem Papier 

Mariela: „Bolivien hat gute Gesetze erlassen, wenn es um die Bekämpfung von häuslicher Gewalt geht. Doch leider stehen sie nur auf dem Papier. Wenn jemand sein Recht einfordern möchte, muss er oder sie zuerst alle bürokratischen Hürden überwinden bis es endlich – und nur vielleicht – zu einem Prozess kommt. Darum müssen wir selber aktiv werden und Jugendliche bereits früh aufklären.“ In Anbetracht der steigenden Gewaltzahlen in der aktuellen Krise erscheint dies wohl wichtiger  denn je. 

Im Verlaufe des Videointerviews erzählt mir Mariela, wie sie und andere Jugendliche und ihre Familien aus Sacaba unter der Pandemie leiden. Und warum die Pandemie bestehende Probleme noch verstärkt hat. 

«Ich habe viel Wissen über lebenspraktische Themen erworben –
sonst wäre vielleicht auch ich früh Mutter geworden und hätte nicht studieren können.»


 

Von Florine Salzgeber | 18. Februar 2021 | Bolivien

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Florine Salzgeber

Psychologin und Psychotherapeutin

E-Mail

Als ausgebildete Psychologin und Psychotherapeutin habe ich während der Quarantänezeit hilfesuchende Personen – auch Mitglieder von Jugendgruppen – telefonisch beraten und unterstützt. Ich helfe zudem der Nichtregierungsorganisation Wiñay Pacha dabei, ihre Methoden auf andere Gemeinden in Bolivien zu übertragen. So helfe ich mit, dass Kinder, Jugendliche und ihr soziales Umfeld besser vor Gewalt geschützt werden oder der Gewaltspirale entkommen können. 
 

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