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14.09.2021 | Bolivien, Menschenrechte und Demokratie

Ausweg aus der Gewaltspirale

Die verbreitete häusliche Gewalt ist in Bolivien ein grosses Tabu. Verlässt eine Frau ihren gewalttätigen Mann, ist sie auf sich allein gestellt. Trotz allem hat sich Betty Mamani * ein eigenständiges Leben aufgebaut. Sandra Wechner, die vor Ort für die Frauenrechte kämpft, erzählt deren Geschichte, die bei weitem kein Einzelschicksal ist.

«Nach der Trennung von meinem gewalttätigen Partner wurden meine Forderungen nach Unterhalt weder von der Justiz noch vom Vater ernst genommen. Dabei haben meine Kinder und ich als alleinerziehende Mutter das Recht darauf. Unterhaltszahlungen einzufordern ist ein langer und sehr harter Prozess.»

Betty Mamani, alleinerziehende Mutter

Betty Mamani* war gerade mal 17 Jahre alt, als sie das erste Mal Mutter wurde. Es war nicht ihre Entscheidung, eigentlich wollte sie studieren. Die Beziehung mit ihrem damaligen Partner hielt nicht lange, die Gewalt eskalierte. Der Peiniger verschleppte sie gewaltsam, verprügelte und vergewaltigte sie. Es war nicht das erste, doch zum Glück das letzte Mal. Bettys zweites Kind, eine Tochter, wird neun Monate nach dem Übergriff geboren. Nach der Trennung war Betty Mamani auf sich alleine gestellt. Von einem Tag auf den anderen musste sie als alleinerziehende Mutter den ganzen Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder bestreiten. 


Hürden statt Hilfe

Die Comundo-Partnerorganisation Machaqa Amawta führt in El Alto seit Jahren ein Ausbildungszentrum für Frauen, das ihnen hilft, ihre Einkommenssituation zu verbessern. Viele von ihnen sind alleinerziehend wie Betty. Mit einer Studie konnten wir aufzeigen, dass ihre Situation bei weitem kein Einzelschicksal ist. Wer als Opfer häuslicher Gewalt bei der Polizei Anzeige erstattet, wird selten ernst genommen – der Frau hält man vor, die Gewalt provoziert zu haben. Und dem Mann wird das Recht zugestanden, seine Frau zu züchtigen. Eine Strafanzeige führt fast nie bis zu einer Verurteilung des Täters. Im Gegensatz dazu bietet eine Unterhaltsklage konkretere Aussichten: Die monatlichen Zahlungen eröffnen den Frauen und Kindern neue Perspektiven. Und nicht nur das – in vielen Fällen geht es um das blanke Überleben. Deshalb helfen wir den Frauen mit rechtlicher Beratung, Unterhaltsklage einzureichen. Zudem unterstützen wir sie beim Umgang und Problemen mit Behörden. Denn auch wenn Frauen das Recht auf Unterhaltszahlungen zusteht – diese einzufordern ist ohne juristische Beratung aussichtslos. Das patriarchale Justizsystem stellte den Frauen mehr Hürden in den Weg als dass es ihnen helfen würde.

* Name geändert
 


Ihre Spende für gewaltbetroffene Frauen und Kinder in Bolivien

Vielen Dank!

Mit 35 Franken fördern Sie beispielsweise die rechtliche Beratung für alleinerziehende Mütter.

 

Mit 75 Franken ermöglichen Sie z.B. die therapeutische Begleitung von Gewaltopfern zur Überwindung von Traumatas.

 

Mit 150 Franken helfen Sie z.B., das Ausbildungsprogramm für Frauenberaterinnen (Promotoras Comunitarias) zu stärken.

«Mit Ihrer Spende ermöglichen Sie die wichtigen Einsätze von uns Comundo-Fachleuten in Bolivien gegen Gewalt an Frauen und Kindern.»
Sandra Wechner, Politologin

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Persönliche Begleitung

Eine wichtige Rolle übernehmen im Projekt die Promotoras Comunitarias– ehrenamtliche Beraterinnen, die den Frauen in persönlichen Gesprächen zur Seite stehen. Der finanzielle Druck als alleinerziehende Mutter, die schlaflosen Nächte, die Drohungen und Schuldzuweisungen – für Frauen am Rande des Existenzminimums ist dies einfach zu viel. Als Fachperson unterstütze ich die Weiterbildung der Promotoras im sozialen und juristischen Bereich. Eine von ihnen ist Martha Marca. Sie hilft Betty, ihre Unterhaltsklage neu aufzurollen. 

Sandra Wechner (rechts im Bild) unterstützt Martha Marca (links) beim Beratungsprozess zur Einforderung einer Unterhaltsklage. Das juristische Verfahren ist aufwendig und teuer. Bild: David Mercado
Sandra Wechner (rechts im Bild) unterstützt Martha Marca (links) beim Beratungsprozess zur Einforderung einer Unterhaltsklage. Das juristische Verfahren ist aufwendig und teuer. Bild: David Mercado

«In der patriarchalen bolivianischen Gesellschaft lastet die ganze Verantwortung für die Hausarbeit und Kindererziehung alleine auf den Müttern – neben der Erwerbsarbeit. Das ist eine grosse Ungerechtigkeit.»

Martha Marca, ehrenamtliche Frauenberaterin 


Lohnender Kampf für mehr Rechte

Dank der Unterstützung hat Betty es geschafft, ihr Trauma zu überwinden. Sie hat eine Ausbildung als Coiffeuse abschliessen können und betreibt heute ihren eigenen kleinen Salon. Daneben verkauft sie Gebäck, Strickwaren und Haushaltsutensilien. Sie nutzt jede Gelegenheit, um ein bisschen Umsatz zu machen. So hat sie es mit viel Ausdauer geschafft, für ihr kleines Grundstück am Stadtrand zu sparen. Sie lebt anderen jungen Frauen vor, dass es sich lohnt, für ein selbstbestimmtes Leben zu kämpfen.

 

Von Sandra Wechner | 14. September 2021 | Bolivien

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Sandra Wechner

Politologin

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Sandra Wechner engagiert sich mit unserer Partnerorganisation Machaqa Amawta gegen Gewalt an Kindern und Jugendlichen mit und ohne Beeinträchtigung, insbesondere durch Sensibilisierungsarbeit an Schulen. Aktuell ist sie zudem als Beraterin im Projekt in El Alto tätig, das die Rechte alleinerziehender Mütter auf Unterhaltszahlungen stärkt. Davon profitieren insbesondere auch die Kinder, denen durch die finanzielle Unterstützung neue Perspektiven ermöglicht werden.
 

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