Zirkustraining als Lebensschule

Graziella und Lukas Küttel aus Zug wandern mit ihren Kindern für drei Jahre nach Sambia aus. Vor Ort engagiert sich Graziella in einem Entwicklungsprojekt von COMUNDO, das sozial benachteiligte Jugendliche stärkt. Lukas wird im neuen Zuhause den Alltag der fünfköpfigen Familie organisieren.

Graziella und Lukas Küttel

Graziella und Lukas Küttel: «Wir freuen uns auf den Austausch mit den Menschen vor Ort und das Lernen voneinander.» © COMUNDO

Das soziale Zirkusprojekt «Circus Zambia» in Lusaka’s Armenviertel Chibolya wurde vor vier Jahren gegründet. Es sei gut angelaufen und stärke benachteiligte Jugendliche nachhaltig, sagt Beatrice Bürge, die COMUNDO-Landesprogrammverantwortliche: «Da das Projekt aber schnell wächst, werden die Strukturen und Abläufe komplizierter und die Gründer resp. Leiter, welche sich eher in Akrobatik als in Management-Aufgaben auskennen, stossen an ihre Grenzen. Deshalb haben wir uns entschieden, das Projekt mit einem Fachpersonen-Einsatz zu unterstützen. Mit Graziella Küttel konnten wir die Stelle ideal besetzen.»

Die Stelle im Bereich Finanzen und Organisationsentwicklung passt genau zu den Fähigkeiten der 35-jährigen Betriebsökonomin. Sie war die letzten 10 Jahre für verschiedene Start-ups tätig, zuletzt leitete sie in einem KMU die Abteilung Finanzen und Personal: «Es fasziniert mich, Neues aufzubauen und weiterzuentwickeln», sagt sie, «ich bin überzeugt, dass ich das Projekt dank meiner langjährigen beruflichen Erfahrung nachhaltig stärken kann.»  

Chancen ermöglichen im Armenviertel
Die Jugendlichen in Chibolya, einem rasant wachsenden Stadtteil Lusaka’s, sind sozial stark benachteiligt. Chibolya bedeutet in der Landessprache «verlassen» und das kommt nicht von ungefähr: Die Regierung hat sich aus diesem Stadtteil zurückgezogen und überlässt die Menschen sich selber: Drogen, Gewalt, Frühschwangerschaften und Misstrauen prägen das Leben der Jugendlichen. Jeder Tag ist ein Kampf ums Überleben. Trotz viel guten Willens ist es schwierig, aus eigener Kraft Perspektiven zu entwickeln.

Die Gründer von Circus Zambia, drei junge Männer, die ebenfalls in diesem Milieu aufgewachsen sind, kennen die Probleme der Jugendlichen aus eigener Erfahrung. Nun wollen sie ihnen Chancen abseits der Strasse ermöglichen und sie mit Zirkustraining und anderen Aktivitäten in ihrer persönlichen Entwicklung fördern. «Die Jugendlichen lernen dabei ihre Stärken kennen und können Selbstbewusstsein aufbauen. Viele machen erstmals die Erfahrung, in einer Gruppe ein gemeinsames Ziel zu verfolgen», so Graziella Küttel.

Das Leben aus der Distanz betrachten
Und was bewegt das Paar dazu, das komfortable Leben in der Schweiz aufzugeben, um sich in Sambia zu engagieren? Sie hätten sich schon länger die Sinnfrage gestellt, meinen die beiden: «Wir lieben zwar unsere Berufe, aber reicht das für unser restliches Leben?» Und sie seien zum Schluss gekommen: «Wir konnten dank glücklicher Umstände viel erreichen und möchten einen Teil davon weitergeben an die Gesellschaft, resp. an Menschen, die benachteiligt sind. Und vor allem möchten wir Distanz schaffen, um unser Leben aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Wir freuen uns auf den Austausch mit den Menschen vor Ort und das Lernen voneinander.»


Möchten Sie sich mit uns für benachteiligte Jugendliche in Sambia einsetzen? Vielen Dank, dass Sie den Einsatz von Graziella Küttel mit einer Spende unterstützen!

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