«Entwicklungszusammenarbeit ist nicht romantisch»

Im März 2018 reiste die Solothurnerin Elisabeth Schubiger nach Kenia, um sich in einem COMUNDO-Entwicklungseinsatz für bessere Lebensperspektiven kenianischer Frauen einzusetzen. Nun ist sie zurückgekehrt, Erfahrungen im Gepäck.

Rückkehr Elisabeth Schubiger, Kenia

Elisabeth Schubiger (rechts) mit dem Damenschneiderinnen-Team des ‚Merci Vocational Training Center‘ in Chepareria. Foto: COMUNDO

«Eigentlich war mein Einsatz in einer kleinen kenianischen Stadt im Norden des Landes nicht viel anders als ein Job als ‘Expat’ in einer internationalen Firma», so Elisabeth Schubiger, rückblickend auf ihre 16 Monate Entwicklungseinsatz in Kenia. «Ich fand ein produktives Arbeitsumfeld vor und sehr motivierte Mitarbeiterinnen.»

Braucht es denn noch Entwicklungszusammenarbeit in Kenia? «Ja», meint Schubiger, «das Land steht, trotz des punktuell grossen technologischen Fortschritts, weiterhin vor riesigen sozialen Problemen, zum Beispiel in der Förderung und Betreuung von benachteiligten Menschen. Und vor allem auch in der Bildung. Die grosse Herausforderung besteht dort darin, Ausbildung erschwinglich zu machen, die theoretische Lehre mit der praktischen Arbeitsumsetzung zu verbinden. Vereinfacht gesagt: Entweder können sich die Menschen ein teures Studium leisten und werden darin theoretisch und mit wenig Praxisbezug ausgebildet, oder sie arbeiten hart fürs Überleben, ohne adäquate Ausbildung und tieferes Fachwissen.»
 
Schweizer Exportartikel duales Bildungssystem
 
«Wir hier in der Schweiz vergessen im Alltag häufig, wie privilegiert wir sind, auch diesbezüglich», so Elisabeth Schubiger, sich auf das wie geschmiert funktionierende duale Bildungssystem hierzulande beziehend. Theorie und Produktionsprozess zu verknüpfen und zu integrieren, war denn auch die Hauptaufgabe bei ihrem Einsatz im lokalen Ausbildungszentrum ‘Merci Vocational Training Center’ in Chepareria, einer Kleinstadt im Westen Kenias. Sie brachte als praktisch ausgebildete Damenschneiderin und akademisch gebildete Sozialanthropologin dazu ideale berufliche Voraussetzungen mit.

«Unsere Aufgabe war eine ganz praktische: wir mussten für das Ausbildungszentrum Wege finden, sich selbst zu finanzieren, um auch künftig Mädchen, junge Frauen, auch junge Männer ausbilden zu können.» Hierzu wurden ganz profane berufliche Werkzeuge benutzt: Business Plan, Prozessoptimierung etc. «Ich fühlte mich oft in der Consultant-Rolle, und doch packte ich stets mit an, wenn Bedarf da war. So wurde ich von den Leuten auch als eine reguläre Mitarbeiterin betrachtet. Es war eine tolle Herausforderung, und so ganz anders als das romantische Bild, das viele Menschen hierzulande von der Entwicklungszusammenarbeit haben», so Schubiger.
 
Hilfe zur Selbsthilfe
 
Mit ihrer Arbeit förderte COMUNDO-Fachperson Elisabeth Schubiger eigentlich das Kleinunternehmerinnentum. Im Entwicklungsjargon ‘Capacity building’, die ganzheitliche Entwicklung der Fähigkeit, sich mit dem eigenen Know-how einen Lebensunterhalt zu erarbeiten. «Gerade für junge Frauen ist ein eigenes Einkommen äusserst wichtig. Sie erhalten damit eine Stimme, Wertschätzung und Selbstvertrauen – mit positiven Folgen für die ganze Familie».
 
Wie geht es weiter mit dem Projekt, nachdem die Schweizerin abgereist ist? «Ich bin sicher, dass das Team des Handwerkszentrums die Aufgaben gleich gut oder besser wahrnehmen kann als ich», lacht Schubiger, die jetzt ein Doktoratsstudium am Graduate Institute for Development and International Studies in Genf in Angriff nimmt.
 
Was nimmt die Solothurnerin mit vom Leben in Kenia? Die Menschen in West Pokot seien sehr interessiert und offen. «Ich habe gar etwas Kiswahili gelernt, die nationale Sprache.» Und noch ein Tipp: «Safari in Kenia ist gut und recht, aber es gibt noch ein anderes Kenia. Jenes der Wälder und Küsten, der tollen, witzigen Menschen.»

Text: Othmar Bamert

Wir freuen uns, wenn Sie die COMUNDO-Projekte in Kenia unterstützen möchten. Vielen Dank für Ihre Spende!

Keine News verpassen

Besuchen Sie uns auf Facebook!

Folgen Sie uns auf Twitter!