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Mit kreativer Jugendarbeit gegen Gewalt in Kolumbien

Die kolumbianische Pazifikküste ist auch drei Jahre nach der Unterzeichnung der Friedensverträge noch nicht zur Ruhe gekommen. Die Kinder und Jugendlichen des Centro Afro suchen miteinander kreative Wege aus der Perspektivlosigkeit und Gewalt. Comundo-Fachperson Ulrike Purrer unterstützt sie dabei.

«Neisy und ich waren mitten in einem Jugendleiterworkshop hier in Tumaco, als sie erfuhr, dass Soldaten ihren Bruder auf offener Strasse erschossen hatten, berichtet Ulrike Purrer, «Neisy war gerade 16 Jahre alt, als ihre Welt zusammenbrach.»

Das war vor acht Jahren. Seitdem ist Ulrike Purrer mit Neisy Tenorio und den Jugendlichen des Centro Afro viele gemeinsame Schritte gegangen – heute ist Neisy Sozialarbeiterin und gehört zum dreiköpfigen Leitungsgremium des Jugendzentrums Centro Afro. Mit viel Kreativität, Menschlichkeit und grosser Klarheit übernimmt sie immer mehr Verantwortung.

Corona-Krise in Kolumbien angekommen

Comundo-Fachperson Ulrike Purrer berichtet, was die Ausgangssperre für die Menschen in ihren bescheidenen Holzhütten in Tumaco bedeutet. Auch das Centro Afro musste vorübergehend seine Türen schliessen:

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Neisy berichtet, wie wichtig das Centro Afro für sie und viele andere Jugendliche in Tumaco ist:

 

Ein zweites Zuhause

Das Centro Afro ist ein einfacher Raum, der inzwischen als Tanzschule, Zirkusarena, Bibliothek, Versammlungsraum, Spielparadies, Tonstudio und Kirche dient und für viele Kinder und Jugendliche längst zu einem zweiten Zuhause geworden ist.

Hier ist jede Idee willkommen, jeder Versuch wertvoll, jedes Scheitern erlaubt. Hier stehen die Türen immer offen, auch oder gerade wenn andere Einrichtungen aus Sicherheitsgründen geschlossen bleiben. Ein friedliches Miteinander ist dennoch auch im Centro Afro noch nicht selbstverständlich, zu allgegenwärtig ist die Gewalt auf den Strassen, in der Schule, in den Familien selbst.

Das Centro Afro dient unter anderem als Tanzschule, Zirkusarena, Bibliothek, Versammlungsraum, Spielparadies, Tonstudio und Kirche.

 

Vielen Dank für Ihre wertvolle Unterstützung – damit Jugendliche wie Neisy Tenorio die Chance auf eine eigenständige Zukunft erhalten.

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Gemeinsam in eine bessere Zukunft

Comundo-Fachperson Ulrike Purrer unterstützt die Jugendlichen dabei, mit künstlerischen und kreativen Aktivitäten ihr Selbstbewusstsein und ihr Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Im Rückblick auf die letzten Jahre berichtet sie von ihrer herausfordernden, aber erfüllenden Arbeit und gemeinsamen Erfolgsschritten aus der Perspektivlosigkeit in eine bessere Zukunft: 

«Das konsequente Einüben gewaltfreier Konfliktlösungen bringt mich regelmässig an meine pädagogischen und menschlichen Grenzen. Doch die immer häufiger eintretenden Erfolgsmomente entschädigen auch für alles Durchhalten.

Ich erinnere mich beispielsweise an die Gänsehaut, die ich verspürte, als unsere Zirkusjungs und Hiphopper gemeinsam ausgerechnet im Übergangslager der ehemaligen FARC-Guerilla mit einem kunterbunten, aber eindeutigen Aufruf zur Gewaltfreiheit auftraten. In dieser viertelstündigen Show steckte jahrelange Arbeit, die nicht nur eine konsequente Abfolge von Proben und Workshops war, sondern ein gemeinsam gelebter Alltag mit allen dazugehörigen Ängsten und Hoffnungen, Verletzungen und Initiativen, Tränen und Freuden.

Ulrike Purrer freut sich über die Perfomance der Stelzenläufer vom Centro Afro, mit der sie ein Zeichen gegen Gewalt setzen wollen.

An der Show beteiligt waren Jugendliche, die bereits vor Jahren die Schule abgebrochen hatten, schon mit einem Fuss zu einer bewaffneten Gruppe gehörten und durch das Centro Afro doch den Schulabschluss geschafft haben.

Andere erhielten sogar Stipendien, um an der Universität zu studieren. Zwei Jugendliche, welche die Anfänge des Centro Afro erlebten, sind kürzlich mit erfolgreichen Studienabschlüssen als Bakteriologe und Pädagogin aus der Hauptstadt nach Tumaco zurückgekehrt und haben Arbeit gefunden. 

Neisy als Repräsentantin im Vatikan 

Sehr gern erinnere ich mich nicht zuletzt auch an einen Anruf aus der Bischofskonferenz in Bogotá. Aufgrund ihres herausragenden Engagements in der Jugendpastoral wolle man Neisy als Repräsentantin Kolumbiens zur Jugend-Vorsynode in den Vatikan entsenden. Im März 2018 fand diese grosse Reise statt, an der das gesamte Centro Afro mit einem gewissen Stolz Anteil nahm. 

Es erfüllt mich selbst mit grosser Freude, zu sehen, was Neisy und viele andere Jugendliche des Centro Afro alles erreichen konnten. Sie haben sich aus der Opferrolle befreit und sich zu Protagonistinnen und Protagonisten entwickelt, die heute für eine neue Generation mit Zukunft stehen.»

 

Ulrike Purrer ist seit 2012 mit Comundo in Kolumbien im Einsatz.
Mehr zu ihrem Projekt

 


Vielen Dank für Ihre wichtige Unterstützung! Sie ermöglichen damit, dass unsere Comundo-Fachleute weiterhin neue Perspektiven und Fähigkeiten vermitteln können – für eine lebenswerte Zukunft von Kindern und Jugendlichen wie Neisy.
 

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Neisy bei einer Zirkuspräsentation in Bogotá. Die 24-Jährige gehört heute zum Leitungsteam des Centro Afro.