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30.01.2020

Wo verschiedene Anschauungen aufeinandertreffen

In ihrem Einsatz mit Comundo erkannte Bianca Binggeli, wie eng das Schicksal der indigenen Bevölkerung Perus mit unserem eigenen verknüpft ist. Seit wenigen Wochen ist die Bernerin zurück in der Schweiz.

Eine schwarze Fläche umrandet von einem Lichtermeer: Der Anblick des Tagebaus bei Nacht verschlägt Bianca Binggeli die Sprache. Wo einst Lichter waren und Menschen gewohnt haben, klafft ein anderthalb Kilometer langes, 600 Meter tiefes Loch. Im Rahmen ihres Einsatzes für die vom Bergbau betroffene Bevölkerung Perus reiste die 29-Jährige vor einem Jahr mit Comundo – der grössten Schweizer Organisation für Personelle Entwicklungszusammenarbeit – nach Lima. Bei einem Feldbesuch in Cerro de Pasco traute sie ihren Augen kaum: Es war kein Meteoriteneinschlag, der die gesamte Altstadt wegradierte, sondern ein Minenunternehmen. Seit vier Jahren gehört der Tagebau Glencore, einem Rohstoffkonzern mit Sitz in der Schweiz. Bianca Binggeli weiss, dass Zink, Blei und Silber abtransportiert werden und den 70’000 Einwohnern der Stadt nichts anderes bleibt als toxische Reststoffe, die sie krank machen.

Bereichernder Austausch

Schon während ihres Studiums in Weltgesellschaft und Weltpolitik hat sie sich intensiv mit globalen Zusammenhängen auseinandergesetzt. So war es kein Zufall, dass sie sich nach ihrem Masterabschluss für einen Entwicklungseinsatz mit Comundo entschied, um die Personen vor Ort bei ihrem Kampf gegen die ungerechte Ressourcenverteilung auf der Welt zu unterstützen. In Lima hat sie zur Verbesserung der externen und internen Kommunikation der Comundo-Partnerorganisation Red Muqui, die sich für die Rechte von Indigenen einsetzt, beigetragen. Unter anderem hat die Einsatzleistende bei der Erstellung der Kommunikationsstrategie mitgewirkt und koordinierte den Prozess einer neuen Website. Diese dient vor allem als Plattform für Information und Sensibilisierung für Betroffene wie auch die Zivilgesellschaft – ein wichtiger Schritt zu einem fairen, nachhaltigeren Umgang mit der Natur.

Vom Austausch mit lokalen Mitarbeitenden hat sie beruflich und vor allem auch persönlich sehr viel profitiert. Wo verschiedene Anschauungen aufeinandertrafen, tat sich für beide Seiten ein Lernfeld auf: «War ich beispielsweise einmal zu direkt und jemand fühlte sich angegriffen, waren wir gezwungen gemeinsam eine Lösung zu finden.»

Globale Probleme global angehen

Nicht nur auf persönlicher, sondern auch auf politischer Ebene gilt es, gemeinsam Lösungen zu finden. Während ihres Auslandeinsatzes ist Bianca Binggeli mehr denn je bewusst geworden, was es bedeutet, globale Probleme global anzugehen: «Zwar muss auch in Peru politisch noch viel geschehen, aber wir in Europa oder der Schweiz haben als Hauptverantwortliche dieser Misere einen riesigen Einfluss.» Nach ihrer Rückkehr möchte sie ihre berufliche Laufbahn deshalb auch in der Sensibilisierungsarbeit für nachhaltige Entwicklung fortsetzen.

Auch wird sie sich weiterhin für die Konzernverantwortungsinitiative (KOVI) engagieren, wobei ihr ihre Einsatzerfahrung bestimmt zugutekommen wird. Denn vom Bergbau und den damit verbundenen Menschenrechtsverletzungen zu wissen, ist eine Sache; selbst in Peru mitten in der kalten, sauerstoffarmen Nacht vor einem schwarzen Abgrund zu stehen, eine ganz andere.

Text: Lina Aerni
Bild: Marcel Kaufmann
 


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