Wo die Inkas noch lebendig sind

Das Leben in den peruanischen Anden ist nicht einfach: Es fehlen Einkommensmöglichkeiten. Der Umwelt-und Wirtschaftsingenieur Marc Fessler aus Schönenberg ist mit COMUNDO vor Ort im Einsatz und unterstützt lokale Gemeinden im Aufbau eines nachhaltigen Tourismus. Bald stellt er das Projekt in der Schweiz vor.

Herr Fessler, Sie sind seit Oktober 2017 mit COMUNDO in den peruanischen Anden im Einsatz. Was sind die Herausforderungen der Menschen vor Ort?
Ich lebe und arbeite in der Region Cusco mit traditionellen Gemeinschaften in diesen hochgelegenen Gebirgsregionen auf bis zu 4500 M.ü.M. In den Gemeinden wird Quechua gesprochen und die traditionellen Werte der Inkas werden gelebt, wie wir sie in der westlichen Welt nicht mehr kennen. Man lebt in Harmonie mit der Natur, was einerseits sehr romantisch sein kann, andererseits auch sehr herausfordernd. Die meisten Familien leben von den Lebensmitteln von ihrem Feld, haben ihr Haus selbst gebaut und ihre Kleider selbst gewebt. Allerdings fehlt Geld für alles andere, wie z.B. für Medikamente oder weiterführende Schulbildung. Einige können kaum lesen und schreiben. Viele Jugendliche verlassen wegen mangelnder Perspektiven ihre Dörfer, um in den Städten Arbeit zu finden.

Sie arbeiten vor Ort mit einer Partnerorganisation zusammen. Was ist ihr Ziel?
50 Familien der Gemeinde haben vor einiger Zeit die Organisation "Inkas Vivientes", also die "lebenden Inkas" gegründet. Ziel ist die Verbesserung der Lebensqualität, die Schaffung neuer Einkommensmöglichkeiten und der Erhalt der traditionellen Kultur. Wir etablieren zusammen einen nachhaltigen Tourismus. So haben die Familien ein zusätzliches Einkommen und westliche Touristen können die traditionelle Kultur vor Ort direkt erleben.

Was ist Ihr Hintergrund und wie genau unterstützen Sie Inkas Vivientes?
Ich habe Umweltwissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen an der ETH in Zürich studiert und danach in Indonesien und beim Schweizer Tourismus-Verband im Bereich nachhaltiger Tourismus gearbeitet. Für die Inkas Vivientes habe ich unter anderem eine Website, Videos, Broschüren und Flyer erstellt. Zusammen mit der Gemeinschaft haben wir Tourismus-Erlebnisse und die Preise dafür erarbeitet, und ich bin im Kontakt mit verschiedenen Reisebüros und Touristen/-innen. Man kann nun bei uns etwas über ökologische Landwirtschaft, über Medizinalpflanzen oder das Weben lernen oder einfach nur das Dorf besuchen kommen und im Haus einer traditionellen Familie übernachten.

Was sind dabei die grössten Herausforderungen?
Viele hier hatten noch nie in ihrem Leben einen Computer zur Verfügung, und so ist es z.B. eine grosse Herausforderung, den Menschen vor Ort den Umgang mit dem Internet, mit Online-Reservationen, E-Mails etc. zu zeigen. Dies wird bis zum Abschluss meines Einsatzes meine Hauptaktivität werden, da das Projekt in Zukunft ohne mich funktionieren soll.

Welche Erfolge konnten Sie bereits beobachten?
Wir erhalten seit einem Jahr regelmässig Besuch von Touristen, welche allesamt begeistert waren. Die Familien haben durch den Tourismus schon im ersten Jahr ein zusätzliches Einkommen von insgesamt ca. 2000 Franken erwirtschaftet, was sehr viel Geld ist, wenn man bedenkt, dass einige Familien von lediglich 15 Franken im Monat leben. Wir haben seit diesem Jahr Partnerschaften mit einem Reisebüro in Peru und einem weiteren in Frankreich. Ausserdem haben wir einen Startup-Wettbewerb in Peru gewonnen und konnten mit dem Preisgeld nun endlich ein Büro einrichten und Computer für die Schulungen kaufen.

Was für Veranstaltungen haben Sie in der Schweiz geplant?
Vorgesehen ist eine unterhaltsame Präsentation mit Fotos und Videos über die Kultur der Inkas Vivientes, über ihren Willen, sich zu behaupten und ihre Existenz mit sanftem Tourismus zu bewahren.

Veranstaltungen mit Marc Fessler:

  • Mittwoch, 8. Mai 2019, 19.30 Uhr im Begegnungszentrum Baumgärtlihof, Baumgärtlistrasse 12, 8810, Horgen. Ab 18.30 Uhr findet ein Apéro statt.
  • Sonntag 12. Mai 2019, 10.30 Uhr im Chilestübli, Reformierte Kirchgemeinde Schönenberg, Höhenweg 1, 8824 Schönenberg.
  • Dienstag, 14. Mai 2019, 16.30 Uhr im RomeroHaus, Kreuzbuchstrasse 44, 6006 Luzern.
 
Mit Ihrer Spende ermöglichen Sie den Einsatz von Marc Fessler. Wir freuen uns, wenn Sie sein Projekt und damit die Inkas in den peruanischen Anden unterstützen möchten.

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