Bergbau in Peru – Vorschläge für eine alternative Entwicklung

Am Mittwochabend berichteten die Bergbauexperten Mattes Tempelmann, COMUNDO-Fachperson, und Javier Jahncke Benavente, Direktor des Red Muqui, im RomeroHaus über die problematische Situation in vielen peruanischen Bergbauregionen. Am anschliessenden Podiumsgespräch nahm auch Tamara Wiher Fernández von der Abteilung Menschliche Sicherheit des EDA (Eidg. Departement des Äusseren) teil. Die Veranstaltung zeigte auf, wieso der Bergbau in Peru alles andere als einen florierenden Wirtschaftszweig darstellt und welche Massnahmen auf lokaler und globaler Ebene zu einer Verbesserung der Situation beitragen könn(t)en.

Personen von links nach rechts: Stephan Suhner, ask! (Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien) (Übersetzung), Javier Jahncke Benavente, Paul Mathis, Mattes Tempelmann, Tamara Wiher Fernández

Das peruanische Netzwerk Red Muqui, mit dem COMUNDO schon länger zusammenarbeitet und bei dem sich Mattes Tempelmann seit 2014 als Fachperson engagiert, setzt sich für die Rechte der Bevölkerung in elf verschiedenen Regionen ein. Auch wenn die meist kleinbäuerlichen Gemeinschaften unmittelbar von den Aktivitäten internationaler Unternehmen betroffen sind, haben sie kaum Mitspracherechte. Und nicht nur das: Sie werden von ihrem Land vertrieben, enteignet, sind den verheerenden Umweltverschmutzungen ausgesetzt und verlieren ihre Lebensgrundlagen. Immer wieder kommt es deshalb zu sozialen Konflikten. Deren Anzahl beträgt zurzeit gemäss peruanischer Ombudsstelle 214. Bei Protestaktionen der Bevölkerung führt die Repression durch die Behörden oft zu Menschenrechtsverletzungen und Morden. «Wie in Peru mit dem Bergbau umgegangen wird, schadet nicht nur den bäuerlichen Gemeinschaften, sondern auch Peru im Allgemeinen», ist Javier Jahncke Benavente überzeugt. «Da das Land die Rohstoffe kaum weiter verarbeitet, sondern fast ausschliesslich exportiert, profitiert nur eine kleine Elite davon. Es findet keine Wertschöpfung und keine Diversifizierung der Wirtschaft statt. Peru ist sehr einseitig vom Bergbau abhängig und schränkt seine Souveränität immer weiter ein. Sind die Landrechte einmal vergeben, können sie nur noch schwer per Gesetz von den Unternehmen zurückgewonnen werden.»

Dorfbewohner/innen entwickeln nachhaltige Perspektiven für ihre Region
Das Red Muqui und seine 28 Mitgliedorganisationen verstehen sich nicht als radikale Gegner des Bergbaus, auch wenn sie in Peru oft als solche dargestellt werden. Vielmehr setzen sie sich für einen alternativen Bergbau ein – dafür, dass Bergbau nur in Regionen stattfindet, wo die Bedingungen dafür günstig sind. «Doch die Entwicklung geht in eine ganz andere Richtung», bedauert Javier Jahncke Benavente, «immer mehr Gebiete in Peru werden für den Bergbau konzessioniert; an der Küste und in den Anden ist praktisch die ganze Landfläche betroffen. Die stetige Abschwächung von Umweltnormen und die Aushöhlung von Landbesitzrechten erleichtert internationalen Bergbauunternehmen ihre Präsenz – ohne dass die Bevölkerung etwas dazu sagen kann.» Das Red Muqui steht der Bevölkerung derzeit in 42 Konflikten beratend zur Seite, stösst partizipative Prozesse an und überprüft, ob Gesetze eingehalten werden, resp. wie sich die Bedingungen verbessern liessen. Hier setzt auch das Projekt an, in dem Mattes Tempelmann mitarbeitet. Der Geograf aus Niedersachsen kartiert mit den Dorfbewohnern/innen in einer Zukunftswerkstatt Landnutzungsmodelle wie Aufforstung, Tourismus, etc. Dadurch regt er an, sich mit dem eigenen Lebensraum auseinanderzusetzen. Die Menschen entwickeln eine Vorstellung davon, welches Potential ihre Region hat und wie diese in 15 oder 20 Jahren aussehen könnte. Mit dieser Grundlage können die Gemeinschaften dann mit der regionalen Regierung in den Dialog treten über eine Raumplanung, die nachhaltige Perspektiven ermöglicht», erklärte der 32-Jährige.

Alternativer Bergbau erfordert angepasstes Konsumniveau
Welche Massnahmen auf politischer und globaler Ebene zu einer Verbesserung der Situation beitragen können, darüber sprachen die Referierenden im zweiten Teil der Veranstaltung im Podiumsgespräch unter der Leitung von Paul Mathis, Programmverantwortlicher Bolivien/Peru/Ecuador bei COMUNDO. «In der Schweiz ist es für uns nur schwer vorstellbar, dass die lokale Bevölkerung bei der Raumplanung nicht einbezogen wird. Schliesslich können wir hier gegen jedes kleinste Bauvorhaben Beschwerde erheben», sagte Tamara Wiher Fernández, «wir vom EDA haben die klare Erwartung an die Schweizer Unternehmen, dass sie sich im Ausland nicht nur an die minimalen lokalen Gesetze halten, sondern die Menschenrechte darüber hinaus respektieren.» Doch bisher existieren keine griffigen Massnahmen, um die Unternehmen zur Rechenschaft ziehen zu können. Umso wichtiger ist die Konzernverantwortungsinitiative (KOVI), die im April 2015 von 76 Organisationen – unter ihnen COMUNDO – lanciert wurde und international tätige Schweizer Konzerne verpflichten will, den Schutz der Menschenrechte und der Umwelt verbindlich in ihre Geschäftspraktiken zu integrieren.
Auch wir alle sind gefordert: Mattes Tempelmann sieht eine weltweite Anpassung unseres Konsumniveaus als zwingend. Schliesslich können unsere aktuellen Bedürfnisse nur durch Raubbau befriedigt werden. Die ganzen Umweltzerstörungen und Menschenrechtsverletzungen, die mit dem Bergbau einhergehen, müssten in den Rohstoffpreis integriert und dieser folglich nach oben angepasst werden. Zum Schluss ergänzte Javier Jahncke Benavente: «Es ist wichtig, dass weltweit über die Probleme in Peru gesprochen wird. Für die Regierung in Peru zählt die Meinung wichtiger Importländer wie der Schweiz leider oft mehr als jene der einheimischen Bevölkerung.»

Hier Unterschriftenbogen für Konzernverantwortungsinitiative herunterladen

 

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