Mit Comundo im Mukuru Slum in Nairobi

Eigentlich wäre Friederike Dillensegers Einsatz mit COMUNDO in Kenia in diesem Jahr beendet. Doch die Theologin und Gymnasiallehrerin aus Frankfurt hat ihren Vertrag bis 2018 verlängert. Ihr Herz schlägt für die Kinder und Jugendlichen im Mukuru-Slum in Nairobi – und für ihren kenianischen Partner, mit dem sie im Frühjahr ihr erstes Kind erwartet. Ende Januar war sie zu Besuch bei COMUNDO in Luzern.

Friederike Dillenseger arbeitet für das «Mukuru Slums Development Project» (MSDP) im Süden von Nairobi. Die NGO und Partnerorganisation von COMUNDO will mit ihrem Engagement zur Verbesserung der Lebensumstände der Slum-Bewohnerinnen und -Bewohner beitragen. Einer der vier Programmschwerpunkte des MSDP liegt im Empowerment von Kindern und Jugendlichen, damit sie ihre Stärken entdecken und ausschöpfen können. Auch Ausbildungen zum Installateur oder Koch, zur Coiffeuse, Kosmetikerin oder zum Kindergärtner stehen im Angebot. Oder junge Eltern und Alleinerziehende werden befähigt, ihr eigenes Geschäft zu eröffnen und zu führen, sei es auch nur ein kleiner Kartoffel-Stand oder ein Waschsalon. Denn um die Situation der Kinder zu verbessern, brauchen ihre Eltern eine Lebensgrundlage.
 
Spielerisch Sozialkompetenzen erwerben
Auch Freizeitaktivitäten für Strassenjungen wie Fussball, Akrobatik, Performance oder Reinigungsarbeiten im Slum sind wichtig. Sie dienen dazu, spielerisch das Selbstbewusstsein der Jugendlichen zu stärken, ihnen Erfolgserlebnisse zu ermöglichen, ihnen Gemeinsinn zu vermitteln und mit ihnen realistische Zukunftsperspektiven zu erarbeiten. Gemeinsam mit ihrem kenianischen Mitarbeiter und einem guten Dutzend weiteren Mitarbeitenden dauerhafte Angebote zu machen und zu begleiten, gehört zu Friederike Dillensegers Einsatztätigkeiten bei MSDP. Um hier Nachhaltigkeit zu erreichen, bilden sie und ihr Team ältere Jugendliche zu Gruppenleitern aus, die ihren Fähigkeiten entspre­chend Programmaufgaben übernehmen.
    
Kinder von der Strasse holen
Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist die Mitarbeit im «Halfway House», einem Rehabilitations-Center für Strassenjungen. Ziel dieses Projekts ist, Knaben und männliche Jugendliche von der Strasse zu holen und für ein halbes Jahr in Obhut zu nehmen. In dieser Zeit werden sie von Lehrpersonen unterrichtet und für einen (Wieder)-Einstieg in die Schule vorbereitet. Dort lernen sie auch, sich in eine Gemeinschaft einzufügen, Regeln einzuhalten, sich im Schulunterricht zu konzentrieren. Nach sechs Monaten kehren die Kinder wo immer möglich wieder zu ihren Eltern zurück oder sie werden in einem Kinderheim untergebracht. MSDP-Mitarbeitende begleiten sie dabei noch eine Zeitlang, um sie bei den eingeleiteten Massnahmen zu unterstützen.
 
Friedensfördernde Auswirkungen
Das Engagement des MSDP hat auch eine friedensfördernde Komponente: Die erzieherische Arbeit mit den Jugendlichen macht sie weniger anfällig für die Einflussnahme politischer Extremisten.
 
Die Schilderungen der COMUNDO-Fachperson sind eindrücklich. Man möchte ihr noch lange zuhören. Bald wird sie wieder nach Nairobi zurückkehren, zu ihrem Partner, zu ihren Kolleginnen und Kollegen des MSDP, zu den Kindern im Mukuru-Slum. Zurück zum Elend, aber auch zur Gewissheit, junge Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben unterstützen zu können. «Mungo akipenda», wie kenianische Grossmütter gerne sagen, «so Gott will».