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14.11.2023

Neuer Geschäftsleiter von Comundo

Der in Bern wohnhafte Daniel Roduner (51) tritt per 1. Dezember 2023 die Nachfolge von Erik Keller an. Erik Keller hatte seit 2008 die Geschicke von Interteam und anschliessend mit der Fusion auch von Comundo geleitet. 

Neuer und abtretender Geschäftsleiter Daniel Roduner (li) und Erik Keller (re)

Der ausgebildete Betriebsökonom Daniel Roduner hat ein Nachdiplomstudium in Entwicklungszusammenarbeit (NADEL) absolviert und verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit als Berater oder in leitenden Funktionen bei NGOs und staatlichen Akteuren im In- und Ausland. Bei Comundo war er bereits seit zwei Jahren als Programmverantwortlicher für Namibia sowie für die Rekrutierung und Ausbildung von Fachpersonen zuständig. In dieser Zeit war er auch an zahlreichen Arbeitsgruppen und strategischen Projekten beteiligt.

Interview von Philippe Neyroud, stv. Bereichsleiter Kommunikation


Daniel, du arbeitest seit über 20 Jahren im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit, sowohl in der Schweiz als auch im Ausland. Kannst du uns ein Beispiel für eine Erfahrung nennen, die dich besonders beeindruckt hat? 

Daniel Roduner (DR) : Eine einzelne Erfahrung auszuwählen ist nicht einfach. Was mich immer wieder beeindruckt ist die Innovationskraft, Kreativität und Anpassungsfähigkeit von Menschen durch das kooperative Zusammenarbeiten. Lösungen entstehen, wenn Personen auf Augenhöhe zusammenarbeiten, einander zuhören und offen für neue gemeinsame Lösungen sind.

Die Entwicklungszusammenarbeit ist ein weites und vielfältiges Feld, in dem du Erfahrungen mitbringst. Ein Feld, das mit der Finanzierung durch den öffentlichen Sektor (Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA) zusammenhängt. Inwiefern kann dir dieses spezifische Fachwissen in deiner neuen Funktion bei Comundo helfen? 

DR: Die Finanzierung der Entwicklungszusammenarbeit ist sehr vielfältig: Neben den wichtigen öffentlichen Beiträgen der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit, gibt es Stiftungen und Vereine, Kantone und Gemeinden, Kirchen, private Spenden und die Finanzierung über multilaterale Organisationen (Weltbank und UNO-Organisationen). Nicht zu vergessen sind die Beiträge der Privatwirtschaft, oft durch Investitionen in den Ländern des Globalen Südens und noch wichtiger, die Investitionen der Regierungen und Organisationen im eigenen Land (im Globalen Süden). Durch moderne Ansätze wie das Crowd-Funding entstehen neue Möglichkeiten der Finanzierung – jedoch auch der Identifizierung und Teilhabe an Entwicklungsvorhaben. Diese Diversität in der EZA-Landschaft bringt auch Herausforderungen mit sich: nicht alle Ansätze und Finanzierungsvorhaben erweisen sich als adäquat oder wirkungsvoll.

Ich denke, dass die Kenntnisse und Erfahrungen in der EZA der Schweiz, wie auch vielen andern Ländern es mir erlauben, einen differenzierten Blick auf Vorhaben zu werfen, Projekte und Programme in einer ganzheitlichen Perspektive zu betrachten und die Vernetzung von Comundo zu stärken.

Comundo steht weiterhin vor großen Herausforderungen. Die jüngsten globalen Krisen (Covid-19, Krieg in der Ukraine oder in Palästina usw.) haben auch Auswirkungen auf die Anzahl der Fachleute, die bereit sind, sich zu engagieren. Ist da ein Trend beobachtbar?

DR: Die Anzahl der Fachleute im Einsatz ist in den letzten 10-15 Jahren stark gesunken. Dies hat unterschiedliche Gründe: Einerseits gibt es viele gutausgebildete Fachkräfte in den Einsatzländern des Globalen Südens, andererseits sind Experten des Globalen Nordens oft ein Vielfaches teurer. Bei Comundo gehen wir kohärent und wirkungsorientiert mit diesen Themen um. Wir konkurrieren nicht mit lokalen Fachkräften, sondern bieten die Möglichkeit eines Austausches mit kulturell unterschiedlichen Erfahrungen (Produktive Fremdheit), und unsere Fachkräfte erhalten für ihr Engagement lediglich eine Lebenskostenentschädigung.

Ob das Engagement der Generationen wirklich abnimmt, bleibt zu beobachten. Viele vor allem junge Personen engagieren sich für Klimawandel, globale Verantwortung und Gerechtigkeit. Dies dient unserem gemeinsamen Anliegen und ist ein wertvolles Engagement. Die Fachleute, welche sich mit Comundo engagieren sind qualifizierte, kompetente und hochgeschätzte Mitarbeitende bei Partnerorganisationen in unseren Einsatzländern. Da zählt Qualität deutlich mehr als Quantität.

Im Jahr 2025 beginnt eine neue vierjährige Programmperiode in der Zusammenarbeit mit unserem Dachverband Unité und der Unterstützung der DEZA. Was werden deiner Meinung nach die Prioritäten sein und auf welche Veränderungen müssen wir uns vorbereiten?
 
DR: Die neue Programmperiode orientiert sich an der strategischen Ausrichtung von Comundo. Comundo wird die wichtige Entwicklungsarbeit in den sieben Ländern des Globalen Südens fortsetzen, dabei stehen langfristige, also nachhaltige Veränderungen im Vordergrund. Wir stärken lokal verankerte Partnerorganisationen, damit diese ihr Engagement für mehr soziale Gerechtigkeit und bessere Lebensbedingungen benachteiligter Kinder, Jugendlicher und alter Menschen ausbauen können. Die angepeilte Wirkung können Fachpersonen aus der Schweiz auch mit dem Süd-Süd-Austausch und der Netzwerkarbeit fördern.
 
Wie sieht Comundo seine Beziehung zu den Ländern des Globalen Südens unter dem Aspekt der Thematik der "Dekolonisierung" ?
 
DR: Die Thematik hat mehr Raum in der öffentlichen Wahrnehmung in Europa erhalten, das bedeutet nicht, dass wir uns nicht schon seit Jahren mit dem «Umgang des kolonialen Erbes» beschäftigen. Die Wahrnehmung und die Bedürfnisse der Partnerorganisationen im Globalen Süden sind Ausgangspunkt unserer Zusammenarbeit. Comundo unterstützt die Projekte und Programme dieser Organisationen im Globalen Süden; Comundo führt keine eigenen Projekte durch. Damit stellen wir sicher, dass die Ownership von Anfang an im Globalen Süden liegt und die Erfolge langfristig gesichert sind. Natürlich thematisieren wir die unterschiedlichen Facetten der «Dekolonialisierung» mit unserem Personal und debattieren Auswirkungen und Herausforderungen auch mit Netzwerken in Europa.
 
Du trittst die Nachfolge von Erik Keller an, der Comundo nach fast 20 Jahren Engagement verlässt. Was sind die wichtigsten Errungenschaften deines Vorgängers, auf denen du glaubst, aufbauen zu können, um Comundo zu konsolidieren und weiterzuentwickeln?
 
DR: In den letzten vier Jahren entstand ein «neues» Comundo, aus der Zusammenführung von unterschiedlichen Vorgängerorganisationen. Eine solche «Fusion» ist ein schwieriges Unterfangen, welches viel Umsicht, Fingerspitzengefühl und Offenheit im Dialog mit den diversen Anspruchsgruppen erfordert. Ich bin dankbar, konnte Erik Keller diesen Prozess erfolgreich gestalten – damit hat Comundo ein solides Fundament für eine weiterhin solide Arbeit in einem dynamischen und fordernden Umfeld.
 
Abschliessend, ein persönliches Credo oder eine starke Vision, mit der du die Organisation unter deiner Führung prägen willst?
 
DR: «Veränderung beginnt mit uns allen, gemeinsam formen wir die Zukunft.»
Mit dem Comundo-Team und unseren Partnern möchte ich Veränderungen anpacken und gemeinsam die Programme im Globalen Süden formen, wie auch die Sensibilisierungsarbeit im Globalen Norden konkret gestalten. Mein Fokus liegt auf der Zusammenarbeit auf Augenhöhe, damit alle ihre Kompetenzen und Kapazitäten einbringen können, und wir gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen die Zukunft gestalten. Oder wie Sokrates sagen würde: „Das Geheimnis des Wandels besteht darin, seine ganze Energie nicht auf den Kampf gegen das Alte, sondern auf den Aufbau des Neuen zu richten". 
 
Vielen Dank Daniel für das Gespräch!