Lokale Initiativen der Friedensarbeit in Kolumbien

Während der Friedensprozess in Kolumbien nach über 50 Jahren Krieg nur harzig vorankommt, setzen sich viele Menschen tagtäglich für ein friedliches Zusammenleben in ihrem Umfeld ein. An der Abendveranstaltung «Für den Frieden von Morgen» vom Donnerstag, 14. September 2017 in Luzern werden zwei solche lokale Initiativen vorgestellt.

«Letzten November wurde der definitive Friedensvertrag zwischen der Regierung und der Guerilla FARC-EP unterzeichnet. Dies bedeutet aber noch nicht, dass in Kolumbien Frieden herrscht», erklärt Mirjam Kalt, Koordinatorin des Kolumbienprogramms von COMUNDO. «Frieden kann nicht alleine durch ein schriftliches Abkommen aufgebaut werden. Vielmehr braucht es viele kleine Schritte, die einen Kulturwandel in der Gesellschaft vorantreiben.» Zu lokalen Veränderungen trägt z.B. das Jugendhaus «Casa Juvenil Zona Norte» in Quibdó im Nordwesten Kolumbiens bei. Mitglied des Teams ist auch COMUNDO-Fachperson Stephan Nebel: «Wir organisieren Workshops, Nachhilfe und sorgen für einen geregelten Tagesablauf. Ziel ist, dass wir den jungen Menschen Basiselemente des Zusammenlebens mit auf den Weg geben können wie Respekt, Vertrauen und Freundschaft – angesichts von Krieg und Gewalt keine Selbstverständlichkeiten», berichtet der Sozialpädagoge.

Mit zivilem Widerstand gegen Gewalt
Wie sich die Jugendarbeit konkret gestaltet und was Frieden für die Jugendlichen bedeutet, darüber berichtet Stephan Nebel an der Abendveranstaltung vom 14. September. Weitere Referierende sind Mirjam Kalt und Mathilde Defferrard, Programmverantwortliche von Kolumbien bei COMUNDO, sowie der deutsche Fotograf Jonas Wresch. Er berichtet über die Hintergründe des zivilen Widerstands in Toribio, einer der am härtesten umkämpften Orte Kolumbiens. Von dort stammen die Bilder für seine Fotoausstellung «Kolumbiens Weg zum Frieden», die vom 18. August bis 14. September 2017 im RomeroHaus zu sehen ist. Guerillaangriffe gehören in Toribio zum Alltag der Dorfbewohner/innen. Deshalb gründeten sie die Schutztruppe «Guardia Indigena», die aus ca. 800 freiwilligen Männern und Frauen besteht. Gewalt kann nicht mit Gegengewalt gelöst werden, sind die Mitglieder überzeugt. Deshalb tragen sie nur Holzstöcke und Steinschleudern mit sich.

Friedensförderung weltweit
In den kommenden Monaten richtet COMUNDO den Fokus seiner Bildungs- und Sensibilisierungsarbeit auf den Themenschwerpunkt «Demokratie & Frieden» – ein wichtiger Pfeiler der Südarbeit in Lateinamerika und den Philippinen. In verschiedenen Projekten arbeiten Fachpersonen von COMUNDO eng mit lokalen Partnerorganisationen zusammen und stärken Gemeinschaften und Individuen, die ausgegrenzt sind oder daran gehindert werden, ihre Rechte wahrzunehmen. Durch die Stärkung zivilgesellschaftlicher Strukturen, die Förderung von Toleranz und Selbstbestimmung sowie den Schutz der Lebensgrundlagen werden wichtige Voraussetzungen für ein friedliches Zusammenleben und gewaltfreie Konfliktlösungen geschaffen.