Care-Arbeit und Entwicklungszusammenarbeit

Wie würde eine Entwicklungszusammenarbeit aussehen, bei welcher die Care-Arbeit im Zentrum steht? Darüber wird am 12. Mai 2017 an einer Fachtagung im Bildungszentrum RomeroHaus diskutiert. COMUNDO hat diese Frage zudem ihren Fachpersonen im Süden gestellt, die sich in Projekten von Partnerorganisationen engagieren.

Unbezahlte Care-Arbeit wie zum Beispiel die Pflege betagter oder kranker Menschen, Kindererziehung oder Hausarbeiten bilden eine wichtige Voraussetzung für gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung. Trotzdem wird sie in ihrer Relevanz oft nicht genügend anerkannt. Die «Fachtagung Care: Entwicklungszusammenarbeit für ein sorgsames Leben» geht der Frage nach, welchen Stellenwert der Care-Arbeit in Projekten der Entwicklungszusammenarbeit (EZA) beigemessen wird. Da Frauen den Löwenanteil der Pflege-, Sorge- und Erziehungstätigkeiten wahrnehmen, wird auch diskutiert, ob und in welcher Form sich die EZA an geschlechtsspezifischen Bedürfnissen ausrichtet. Frauen werden in der EZA bekanntlich mit Bildungsmassnahmen gefördert, besuchen Kurse über Mikrofinanzen und biologischen Landbau, eignen sich Wissen über Hygiene  und Solarkocher an. Doch wieviel Zeit bleibt überhaupt neben allen anderen Anforderungen, um im Gemeinwesen aktiv zu sein und zur Entwicklung beizutragen?

«Dieser Herausforderung begegnet das «Kasisi Agricultural Training Centre» (KATC) in Sambia mit «On Farm Trainings», bei denen KATC die mit Care-Arbeit ausgelasteten Bäuerinnen direkt auf ihrer Farm berät und weiterbildet», berichtet Biolandwirt Markus Schär, der das KATC als COMUNDO-Fachmann unterstützt. Da Subsistenzlandwirtschaft zu einem guten Teil Care-Arbeit sei, würde das KATC durch die Förderung des Biolandbaus auch zu einer qualitativen Verbesserung der Care-Arbeit beitragen, ergänzt Markus Schär.

Arbeit an Geschlechterbildern
«Es geht darum, die Menschen für diese Thematik zu sensibilisieren und aufzuzeigen, welche Herausforderungen Care-Arbeit mit sich bringt», sind sich Karin Krebs, COMUNDO-Fachfrau, und Marta Pello García, Koordinatorin in Bolivien, einig. Doch es sei schwierig, an den fixen Strukturen zu rütteln. Deshalb würden sie im Rahmen ihrer Sensibilisierungsarbeit an Geschlechterbildern und –rollen arbeiten, um die einseitige Zuordnung von Care-Arbeit zu weiblichen Familienmitgliedern aufzulösen. Karin Krebs engagiert sich in einem Projekt der «Fundación Ciudadanía», die Frauenorganisationen dabei unterstützt, entlastende Strukturen für Frauen aufzubauen, wie z.B. Kindertagesstätten. Erst dadurch werden Bildung sowie eine echte gesellschaftliche und politische Beteiligung der Frauen überhaupt ermöglicht. «Schliesslich hat Care-Arbeit auch noch eine weitere Dimension, diejenige der Armut», ergänzt Marta Pello García. Familien mit genügend Mitteln könnten es sich leisten, Care-Dienstleistungen von anderen ausführen zu lassen, Armutsbetroffene jedoch nicht.

Die «Fachtagung Care: Entwicklungszusammenarbeit für ein sorgsames Leben» richtet sich an Interessierte und Engagierte in der Entwicklungszusammenarbeit. Unter Mitwirkung von Annemarie Sancar und Tina Goethe, beide Vorstandsmitglieder des feministischen Netzwerks WIDE, werden konkrete Beispiele aus der EZA näher angeschaut und Handlungsmöglichkeiten diskutiert.

Freitag, 12. Mai, 09.30-12.30 Uhr, RomeroHaus Luzern, Kosten: Fr. 40.-/Fr. 30.-