Gut besuchte Vortragsreihe über unsere Zukunft

Vom 17. bis 21. Mai 2016 fand im RomeroHaus die Themenwoche «Die Zukunft die wir wollen» statt. Rund 150 Frauen und Männer nahmen an den vier Abendvorträgen teil, welche spannenden Fragen nachgingen wie z.B.: Welche Zukunft wollen wir? In was für einer Welt sollen unsere Kinder und deren Nachkommen leben? Lässt sich eine hohe Lebensqualität mit globaler Gerechtigkeit verbinden? Worin liegt das Glück des Genug?

Die vier Referenten/-innen beleuchteten das Thema von verschiedenen Perspektiven aus und zeigten Wege in eine Zukunft mit mehr Lebensqualität und globaler Gerechtigkeit auf:

Christa Wichterich, freie Publizistin und Gutachterin in der Entwicklungszusammenarbeit, eröffnete die Vortragsreihe mit einem globalen und feministischen Blick auf das heutige Entwicklungsmodell. Dieses sei mit seinem stetigen und erzwungenen Wachstum gekoppelt. Für Christa Wichterich ist klar: Im Neoliberalismus gibt es zum vorherrschenden Entwicklungsmodell keine Alternativen, was eine Abkehr unabdingbar mache. Die von ihr aufgezeigten Alternativen sind Bewegungen der kleinen Schritte und Übergänge, die nicht auf die grosse Transformation warten. Selber anpacken, lokal und regional, und im Kleinen das Grosse beginnen – so lautete ihre Botschaft.

Im Unterschied dazu will die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) das vorherrschende System nicht umkrempeln, sondern die Wirtschaft wieder in den Dienst der Menschheit stellen. Ralf Nacke, Volkswirt und Koordinator der Zentralschweizer GWÖ, präsentierte die Grundidee des alternativen Wirtschaftsmodells und deren Chance für die Unternehmen der Zukunft. Diese seien nur dann zukunftsfähig, wenn sie nachhaltig mit ihren Ressourcen – den Menschen und der Natur – umgehen. Die GWÖ baue auf Werten auf, die sich am Wohl der Einzelnen und am Wohl aller messen.

Wann waren sie das letzte Mal glücklich? Durch diese von Ute Scheub, Politikwissenschaftlerin und Mitbegründerin der taz, gestellte simple Frage gelangte das Publikum gleich zu Beginn der dritten Abendveranstaltung zur Erkenntnis: Die Bedeutung von Konsumgütern und materiellem Reichtum für die Lebenszufriedenheit wird überschätzt. Eine wachsende Bewegung von Menschen weltweit suche neue Wege – weg vom Konsumzwang hin zu Werten, welche die Glücksforschung als essenziell für die Zufriedenheit bezeichnet: z.B. Beziehungen, interessante Tätigkeiten, Kooperation und Mitbestimmung. Ute Scheub stellte verschiedene Initiativen und Projekte vor, die am ersten Abend durch Christa Wichterich bereits vorskizziert worden waren.

Für den Umweltökonomen und Autoren Niko Paech, der den vierten und letzten Vortrag hielt, bildet Suffizienz das Kernelement der Postwachstumsökonomie. Dieses Wirtschaftsmodell beinhaltet die Halbierung der Industrieproduktion zugunsten eines entkommerzialisierten Sektors, der Freiräume bietet für die Reparatur von Dingen, Formen der Selbstversorgung und die Entwicklung sozialer Netzwerke zum Austausch von Dienstleistungen. In der Folge könnten wir selbstbestimmter und unabhängiger von Geld und der Industrie-Versorgung leben, ist Niko Paech überzeugt. Überkonsum und eine grosse Auswahl an käuflichen Selbstentfaltungsmöglichkeiten führten zu Überforderung und Erschöpfung. Für mehr Glück und Zufriedenheit sei es deshalb zentral, seine Aufmerksamkeit auf das Wesentliche zu richten und sich vor Reizüberflutung zu schützen – suffizient zu leben also.

Besuchen Sie uns auf Facebook!

Folgen Sie uns auf Twitter!