Wenn aus dem Einsatzland das Zuhause wird

Ganze acht Jahre lang lebt Sandra Estermann schon in Kenia – und arbeitete in dieser Zeit für drei verschiedene Partnerorganisationen von COMUNDO. Die Luzernerin hat in dieser Zeit ihre neue Heimat gefunden.

Oktober 2009 war es, als Sandra Estermann aus Rain (LU) in ihren ersten Einsatz mit COMUNDO aufbrach: Eine Mischung aus Abenteuerlust und der Neugier, im Ausland zu leben und zu arbeiten seien es gewesen, die sie nach Kenia zogen. «Ich hatte einmal ein HOPLAA (Kurzpraktikum in der Personellen Entwicklungszusammenarbeit von COMUNDO, Anm. der Red.) gemacht und dachte, ich würde gerne meine Zeit einmal für etwas investieren, das ich sinnvoll finde, etwas, das den sozialen Faktor beinhaltet», erzählt sie. So war die gelernte Verkaufskoordinatorin als Erstes für die COMUNDO-Partnerorganisation DKA & eRKO im Supportoffice tätig, führte Beratungen, Monitorings und Workshops durch. Aber drei Jahre waren nicht genug. Sandra Estermann verlängerte ihre Tätigkeit auf viereinhalb Jahre: «Ich dachte: Jetzt habe ich so viel Wissen aufgebaut und erlernt, dass ich das gerne weiter einbringen würde», erklärt sie.

Aus demselben Grund blieb Sandra Estermann danach in Kenia und engagierte sich in einem weiteren Projekt, bei dem es aber nach einem Jahr zum Vertragsabbruch kam. Aber passenderweise fand sie andernorts eine Anstellung für weitere eineinhalb Jahre: Bei der Organisation KESHO, die Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Wissen ermöglicht, unterstützte sie die Organisationsentwicklung. «Ich war aber auch in der Kommunikation tätig und erstellte zum Beispiel sogenannte Impact reports, also Erfolgsgeschichten für den Blog», erzählt sie. Sie sei eigentlich für eine Marketingaufgabe gekommen und dann in die Organisationsentwicklung hineingeruscht: «Diese Art von Projektmanagement war neu für mich.» Finanzmonitoring und Kommunikationsaufgaben wie etwa die Betreuung der Social Media-Plattform ergänzten ihr Jobprofil: «Ich lernte sehr viel, es war eine sehr abwechslungsreiche Arbeit.»

Was heisst arm oder reich?
Herausforderungen begegnete sie nicht nur im Job, sondern auch privat. Konkret nennt die den Spagat zwischen den verschiedenen Welten: «Die Schere zwischen reich und arm ist ständig präsent. In Nairobi bewegte ich mich den ganzen Tag im Slum, aber abends kaufte ich mir manchmal eine Flasche Wein, für die jemand anders zwei Tage arbeiten müsste. Da fragte ich mich: Was heisst denn konkret ein ‹bescheidener Lebensstil›?» Betroffen macht sie auch die Hungersnot, die mit der aktuellen Dürre über Kenia kam – drei Millionen Menschen sind betroffen. «Da fragt man sich: Was kann ich tun?», so Sandra Estermann. Nebst allen Herausforderungen nimmt Sandra Estermann auch viele Bereicherungen mit, vor allem neue Freundschaften und Begegnungen mit Menschen von verschiedensten sozialen und kulturellen Hintergründen.

Neues Zuhause
Seit Ende März 2017 ist der Arbeitsvertrag von Sandra Estermann beendet, die Luzernerin hat inzwischen aber ihren Lebensmittelpunkt in Kenia gefunden – nicht zuletzt dank ihrem kenianischen Partner. «Unser Lebensmittelpunkt bleibt vorerst in Kilifi», sagt sie und freut sich auf einige Monate Auszeit, nach denen sie sich neu orientieren will - «vielleicht Richtung Beratung, vielleicht Richtung Selbständigkeit». Auch bei KESHO hat Sandra Estermanns Einsatz nachhaltige Wirkung hinterlassen – sie ist nun eine lokale Partnerorganisation von COMUNDO geworden und sucht eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für Sandra Estermanns Engagement.

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